Mein bestes Futter für Legehennen

Sind deine Hühner auch so heikel?

Als Hühnerneuling hab ich mich im Landhandel beraten lassen („Nehmen’s des, do is Ois drin“) und bin frohen Mutes mit 25 kg Legepellets abgezogen. Von dem Sack hab ich ein Jahr später immernoch den letzten Rest unters Futter gemischt, so „gut“ kam der bei den Hühnern an…

Meinen zweiten Versuch habe ich mit Getreide plus Legemehl gestartet, und regelmässig  die Hälfte wieder vom Boden in die Tonne gekratzt – fein säuberlich wurde aussortiert was schmeckte und der Rest wurde ignoriert. Auf Dauer etwas teuer…

„Ach geh, sind doch bloss Hühner! Da reicht ein Körnerfutter.“

Ja, ich hab’s mir einreden lassen. Ja, die Hühner haben’s wie verrückt gefressen und ja, sie sind total fett geworden.
Es war übrigens meine erste und wichtigste Lektion im Umgang mit der Fraktion „Wir machen das jetzt schon seit X Jahren so und dann wird’s ja wohl richtig sein.“
Äh… nein.

Körnerfutter reicht nicht

Wer jetzt abwinkt, dem empfehle ich den Futtermittelkurs im Hühner-Info Forum. Und wer schonmal gestillt hat, dem leuchtet es sowieso ein: die Milch/das Ei kommt zuerst. Der eigene Organismus (Mama/Huhn) danach. Was auch immer an Nährstoffen (vor allem verwertbares Eiweiß) im Futter vorhanden ist, geht zuerst in die Reprduktion. Also ins Ei.
Bei Rassetieren, die nicht auf Höchstleistung gezüchtet sind, geht das vermutlich länger gut, bei Leistungshybriden, die viele Eier legen (müssen – Sie können das nicht einfach abstellen!) ist langsamer Raubbau am Körper vorprogrammiert. Kurz gesagt: Legehennen brauchen Legehennenfutter (wo halt „Ois drin is“).
Im Hühner-Info Forum gibt es diesen kurzen Thread, den ich informativ fand was den Unterschied von Hybrid-, bzw. „Leistungshühnern“ zu Rassehühnern angeht:
Darin wird auf das Mischungsverhältnis von Ergänzungsfutter zu Körnerfutter eingegangen und ich finde, man kann sie Überlegungen gut für die eigene Mischung/Rezeptur verweden.

Bei Mama schmeckt’s am besten

Du willst wissen wo das, was Dein Huhn frisst, herkommt? Du hoffst, dass Deine Hühner das selbstgemischte Futter mit soviel Liebe verspeisen wie Du es zubereitet hast? Ich  auch. Aber ich weiß jetzt: wer sein Futter selber mischen will muss es richtig tun und muss sich vorher ordentlich informieren.
Also hab ich mich durch Ratgeber gegraben, habe Futterpläne im Netz studiert und mich durch Thread über Thread einschlägiger Foren geackert. Und ich habe gemerkt:
Ich will nicht ständig Bio-Quark und Bachflohkrebse besorgen, ich will keine Mehlwürmer züchten und auch keine Kartoffeln vorkochen. Brausetabletten mit Vitaminen aus der Drogerie nehm ich selber nicht gern und ich viel Geld für extra Zusätze hab ich nicht. Vor allem aber habe ich nicht den Nerv mich in die Nuancen der optimalen Nährstoffversorgung der Hühner einzudenken – wenn es Profis gibt, die das schon gemacht haben. (Und damit meine ich nicht zwingendermassen die Futterhersteller, sondern auch andere Hühnerhalter, die Ihre Rezepte gerne teilen. Siehe letzter Absatz.)
Vor allem will ich aber, dass meine Hennen gut versorgt sind.

Dir gehts auch so? Dann ist mein gepimpter Fertigmix vielleicht was für Dich:

Fertiges Futter, mit den gewissen „Extras“

Also zurück zum fertigen Legehennenfutter. Legemehl mit GVO freiem Soja von einer Mühle vor Ort, die ich gern unterstütze (übrigens noch ein Grund, warum ich dann vom kompletten „Selbermischen“ abgekommen bin – wenn ich mir Einzelkomponenten von weit her liefern lassen muss fühlt sich das irgendwie auch verkehrt an…).
Im Verhältnis 1:1 (Körnerfutter:Legemehl) gemischt bildet es jetzt die Grundlage für mein eigenes Legehennenfutter für Orpingtons. Das Mischungsverhältnis von Körnerfutter zu Ergänzungsfutter variiert je nach Anbieter und Hühnerrasse und ich würde nach den Angaben auf der Packung gehen und die auf die eigenen Bedürfnisse abwandeln. Für ein Leistungs-Hybridhuhn ist eine Mischung von 1:2 (Körnerfutter:Legemehl) z.B. sinnvoller.

Aber wie bekomme ich meine Hühner dazu es zu fressen?

Die Lösung: ich verpack es in einen Leckerbissen – fermentiertes Getreide.
Über meinen eigenen Fermentations-Spleen bin ich dazu gekommen das Körnerfutter für die Hühner zu fermentieren und wie sich herausstellt fahren sie voll drauf ab. Ich schlage also drei Fliegen mit einer Klappe.

Mein Futter ist gesünder

Der Nährwert des Getreides verbessert sich durch die Fermentation und wird für den Hühnerorganismus „verwertbarer“ gemacht.

Ich spare Geld

Das gequollene Getreide hat mehr Masse und ich benötige weniger Futter um die Hühner satt zu bekommen.

Das Legemehl wird restlos gefressen

Die Lake des Ferments ist perfekt um das Legemehl zu einem würzigen Brei zu verarbeiten (und nebenbei auch randvoll mit gesunden Milchsäurebakterien).

Mit 2 regelmässigen Extras und dem Überraschungspotential meiner Küchenabfälle* sind die Hühner zufrieden und bekommen alles was sie brauchen.
*Küchenabfälle sind bei mir zu 90% die Schalen von Obst (Apfel, Birne, ab und zu Banane, Zitrone und Orange) und Gemüse. Die restlichen 10% sind ungesalzene Fleisch- und Fischreste. Sonst bleibt bei uns tatsachlich nix übrig an Essen – ich bin leidenschaftliche Experimentalverwerterin und empfinde jedes bisschen Essen das im Müll landet als persönliche Niederlage. Ich rate dir aber davon ab gewürzte – und vor allem salzige – Speisereste zu verfüttern oder jeden Tag Brot- und Nudelreste zu geben. Ab und an wird das nicht schaden, aber Hühner sind keine Biomülltonnen… Und bitte lass dir nicht sagen „Ach geh, wir machen das doch schon immer so!“ 😀

> Hier geht’s zum Futterrezept für fleißige Legehennen <

 

Du willst dein Legehennenfutter trotzdem lieber selber mischen?

Wenn Dir das Thema Spaß macht und Du kein schlagendes Argument gegen das Selbermischen hast (wie eine Mühle oder einen gut sortierten Landhandel in der Nähe) dann empfehle ich Dir neben dem Hühner-Info Forum noch die Webseite unsere.farm.myblog.de
Hier stellen Florian und Xenia Ihre eigene Futtermischung vor, mit variierendem Rohproteingehalt, den sie an Rasse und Jahreszeit anpassen. Dazu gibts Links zu Bezugsquellen für die Einzelkomponenten. Es ist die verständlichste Anleitung, die ich gefunden habe und ich finde es prima, dass die beiden ihre Rezepte teilen um anderen das Grübeln um die genaue Zusammensetzung zu ersparen.

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Kommentare

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  3. Elisabeth Mariany

    Hallo. Ich habe 3000 Bio-Legehennen und möchte Kräuter im Auslauf ansetzen welche sie picken können. Ist das eine gute Idee? Haben sie Erfahrungen damit? Oder gibt es noch andere tolle Möglichkeiten was ich anpflanzen kann und Ihnen gut tut

    • Denise

      Also in der Dimension kenn ich mich leider nicht aus (3000 Hühner mein ich 🙂 ), denke aber, dass die Hühner frisch angepflanzte Kräuter ziemlich schnell plattmachen, kahlfressen, etc. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sowas wie die „grazing boxes“ funktionieren könnte. Also sowas z.B.: https://www.pinterest.co.uk/pin/292241463304780289/ Wenn Du da mit etwas Abstand ein begehbares Gitter drauflegst, können die Pflanzen eine bestimmte Höhe wachsen und die Hühner können die Spitzen abgrasen. Da könnte ich mir Oregano, Minze, Brennessel, Majoran, etc. vorstellen. Aber auch Rotklee oder Weizengras, Buchweizen… Oder Du trennst bestimmte Flecken im Auslauf ab, bis die Pflanzen eine gewisse Kampfhöhe haben. 🙂
      Wenn der Auslauf bisher „nur“ Wiese ist und es auch Büsche und dergleichen sein dürfen, wäre meine Wahl Holunder & Beerensträucher (Johannis, Aronia, Himbeeren, etc.). Den Holunder einfach weil er schnell wächst, ein toller Schattenspender ist und die Beeren, in Maßen roh gefressen, den Hühnern auch gefallen. Verarbeitet (also erhitzt) kannst Du sie auch mit ins Futter mischen. Na udn die Beerensträucher sind einfach nur lecker für die Hühner und nicht sooo schnell kaputtbar.

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  5. Gabi

    Hallo, eines meiner Hühner legt jeden Morgen ein Schal-Ei.,dass dann in der kotrinne liegt und von den Hühnern verspeist wird. Sie bekommen alle ausgewogenes Futter( auch genügend kalk ) D3 u kalzium extra ,aber dieser Zustand ändert sich nicht. Am Auslauf kann es ebenfalls nicht liegen . Was kann ich noch tun ? Lg

  6. Marion

    Hallo Denise, schöne Seite, vielen Dank! Zur Fütterung habe ich aber zwei Anmerkungen: 1. Sind die Hühner ja schon ein bisschen länger bei uns als das Legemehl und 2. bin ich immer wieder erstaunt, dass ausgerechnet bei der Tierernährung alles so gut geklärt ist, sogar bis zur Nachkommastelle, während die menschliche Ernährung ja doch eher umstritten ist. Vielleicht sollten sich die Tiernahrungsspezialisten mal mit der Menschennahrung beschäftigen und wir wären sofort alle ernährungsbedingten Krankheiten los 😉
    Viele Grüße
    Marion

    • Denise

      🙂 Ja, so ist das oft, um die eigene Ernährung kümmert man sich ganz zum Schluss… Wäre aber genauso wichtig, da geb ich Dir recht.
      Das Argument, dass die Hühner ja schon länger auf der Welt sind, als es Legemehl gibt, das höre ich öfter… Aaaaber: das Huhn, das die meisten sich zuhause halten ist ja nicht mehr so wie’s mal war. Da wurde rumoptimiert und gezüchtet, bis eben bestimmte Eigenschaften dabei sind (hohe Legeleistung) und die wiederum erfordern ganz andere Nährstoffe, als es ein „wildes“ Huhn (mit vielleicht 2(?) Gelegen im Jahr) je gebraucht hätte. Besonders die Legehybriden müssen also die Nährstoffe bekommen, die sie für ihre „neuen“ Eigenschaften brauchen. Bei den „alten“ Rassen ist das nicht so extrem ausgeprägt, aber auch ein Orpington-Huhn wurde über die Jahre optimiert gezüchtet und eine Legeleistung von immerhin 150 Eiern hat ja auch nix mehr mit „Wildtier“ zu tun. Darum gern mit Legemehl „verwöhnen“. (Nur nicht zu sehr! Denn wie Du schon richtig bemerkt hast: je nach Rasse ist so ein Huhn gern mal ein Faß ohne Boden! 🙂 Wie meine Orpis…)

  7. Marion

    Ach ja, noch zu den fetten Hühnern, es gibt wohl einige Rassen, bei denen man das Futter rationieren muss, weil sie zum Fressen bis Fettwerden neigen. Ich glaube, Deine gehört dazu.

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