Hühner im Garten halten – Erfahrungen und Tipps

5 Anfängerfehler die Du nicht machen mußt

(weil ich sie schon gemacht habe)

Was Du vermutlich schon weißt: Hühnerhalten ist ein tolles und dankbares Hobby. Es ist für Anfänger geeignet und auch mit kleinem Garten und kleinem Budget realisierbar. Kinder lieben Hühner und sie lernen im Umgang mit Ihnen wo unser Essen herkommt, was es heißt, Fleisch zu essen und was für ein kleines Wunder so ein Frühstücksei ist. Hühner sind elegant und anmutig, manchmal seltsam grotesk, raubtierhaft und scheu zugleich. Und sie sind vor allem witzig.
Ich weiß nicht ob das für jede Form der Tierhaltung gilt, aber unter Hühnerhaltern wird gern vom „Hühnervirus“ gesprochen, das einen unweigerlich befällt: Wer einmal Hühner hat, kann nicht mehr ohne.
Damit wären wir eigentlich schon beim ersten inoffiziellen Fehler (oder besser: Erfahrung): wenn Du mit 4 Tieren rechnest, werden es 5, dann 7, dann… Soviel Dein Garten zulässt. Hab das ruhig bei allen Planungen im Hinterkopf.

#1 Einen kleinen Fertigstall kaufen

Nichts gegen Fertigställe und auch nichts gegen kleine Ställe (bei entsprechend großer Voliere, bzw. Auslauf). Es ist schliesslich verlockend gleich loszulegen und nicht jeder hat Spaß am Selberbauen. Deine Überlegung ist vielleicht in etwa so:
  • „Fertige Ställe werden schon so konzipiert sein, dass sie für Hühner perfekt geeignet sind“
  • „Ist zwar viel Geld, aber dann wird’s schon was Ordentliches sein.“
  • „Passt doch genau: 1m2 für 3 Hühner und mehr will ich ja nicht.“ (Glaubst Du! 🙂 )
  • „Ich bin nicht so handwerklich begabt…“
Es gibt fertige Ställe die gut durchdacht sind und die Ihren Preis wert sind. Die „Eglu“ Hühnerställe von Omlet zum Beispiel. Sie entsprechen nicht meinem Geschmack (und ich werde mir sicher nie einen zulegen) aber ich denke, dass hier viel Überlegung in die Entwicklung geflossen ist und die Qualität passt. (Ist meine persönliche Vermutung! In Foren und Facbookgruppen finden sich sowohl glühende Befürworter als erbitterte Gegner.) Bei den meisten Ställe die man auf Ebay oder im Baumarkt bekommt, ist das Geld besser in Baumaterialien für einen Stall Marke eigenbau investiert. Spätestens nach einem Winter werden die Schwachstellen sichtbar: Der Stall ist zugig, undicht und schlecht zu reinigen wenn es richtig matschig ist und die Hühner mehr Zeit im Stall verbringen.

Worauf Du bei einem Stall achten mußt

Ratz fatz geputzt
Das Kotbrett muss ohne großes Gefummel in 2 Minuten zu säubern sein. Es muss abnehmbar sein für die halb-jährlichen Grundreinigungen.
Wenn Du erst schlecht sitztende Deckel hochheben oder Dich in halbhohe Ecken reinbücken musst, ist die tägliche Reinigung mühsam – und was mühsam ist machst Du nicht gern und damit auch nicht so regelmässig wie Du solltest. Mach Dir das Ausmisten so bequem wie möglich, dann machst Du es gern und gründlich. Aufrecht stehend in einem Stall zu arbeiten ist optimal.
Vogelgrippe & Matschwetter
Wenn du einen kleinen Stall hast, der eigentlich nur zum Schlafen und Eierlegen da ist, bekommst Du spätestens im Winter oder zur nächsten Aufstallpflicht Probleme. Plane einen überdachten Platz am Stall dazu, eine Voliere z.B., in der die Tiere bei Matschwetter oder Stallpflicht Auslauf haben und Fressen können. Das hält auch den Stall sauberer und Deine Tiere gesünder.
Vergiss die Dämmung
Spar Dir Geld und Überlegungen dazu – Deine Hühner werden einen Winter mit Minusgraden (bei uns waren es teilweise -15 Grad) überstehen und den Milben mußt Du’s ja nicht gemütlich machen. Voraussetzung: ein trockener und gut durchlüfteter Stall.
Milben

Wenn Du denkst, Du kriegst sie nicht, dann hast Du sie vermutlich schon. Ok, das ist übertrieben. Aber sie können jeden erwischen und wenn sie da sind hast Du ein echtes Problem. Mit diesen Grundmaßnahmen erschwerst Du ihnen zumindest den Einzug:

  • Stall innen kalken (geht auf Holz und Stein). Ich nehme Sumpfkalk aus dem Baumarkt
  • Auf Dämmung verzichten
  • Ritzen, kleine Spalten und andere schlecht zu reinigende Nischen vermeiden.
  • Kotbrett, Schlafstange, Nester sollten rausnehmbar sein, damit sie im Fall des Falles intensiv gereinigt oder ersetzt werden können

Ein Stall sollte also alles andere als „fancy“ sein. Er muss immer sauber, trocken und gut durchlüftet sein. Er soll hell sein, aber dunkle Ecken für die Legenester haben – der Platz unter dem Kotbrett eignet sich dafür gut.

Meine persönliche Empfehlung ist, sich entweder einen Stall selbst zu bauen (und das muss nicht schwer sein – es gibt im Internet für jede handwerkliche Begabung Pläne und originelle Ideen für Ställe). Oder ein kleines Gartenhaus zum Stall umzubauen (so hab ich’s gemacht – ok, mein Mann). Klar, ein Gartenhaus ist auch nicht billig: aber es ist in der Regel solider gebaut, ist bequemer zu Reinigen, bietet mehr Platz und wenn Du mit Vorlauf auf ebay kleinanzeigen suchst, wirst Du auch für wenig Geld fündig.

#2 Den Auslauf zu klein planen

Plane realistisch. Der Mindestplatzbedarf pro Huhn den Du im Internet oder Büchern findest ist zwar ausreichend, aber er verleitet dazu sich den eigenen, verfügbaren Platz schönzurechnen… Wenn Du glaubst Dein Auslauf passt gerade so für die geplante Anzahl an Hühnern, dann ist er zu klein. Wenn Du nicht mehr Auslauf dazuplanen kannst, dann sind Zwergrassen eine gute Option. Es werden (mit der Zeit) immer mehr Tiere als ursprünglich geplant! Und Du wirst Deinen Hühnern auch mehr Platz bieten wollen, wenn Du anfängst sie zu beobachten, ihre Eigenheiten kennenlernst und sie als eigenständige Lebewesen mit Persöhnlichkeit wahrnimmst. (Jetzt sind sie ja erstmal nur theoretische Eierlieferanten, mit theoretischem Platzbedarf.) Ich empfehle Dir mit 20m2 Auslauf pro Tier zu rechnen, oder 10m2, wenn du z.B. 2 Flächen im Wechsel zur Verfügung hast.

#3 Kein Notfallplan

Leg Dir eine Erste-Hilfe-Box zu um Wunden zu versorgen, Parasitenbefall zu behandeln und kränkelnde Hühner zu päppeln. Hühnern sieht man übrigens erst sehr spät an, dass ihnen etwas fehlt! Bis Du merkst, dass mit dem Huhn etwas nicht stimmt, kann es schon richtig krank sein oder eine Verletzung haben, die sich schon entzündet hat. Dann muss es schnell gehen und das Nötigste greifbar sein. Hier ist eine Liste mit Dingen, die jetzt in meine Hühner-Apotheke kommen.

Was tun, wenn kein Tierarzt erreichbar ist?

Gibt es Landwirte oder Hühnerhalter in der Gegend die Dir zur Not mit Medikamenten oder Ratschlägen helfen können? Könntest Du ein Huhn Notschlachten? Manchmal ist es einfach zu schnell zu schwer krank geworden, es ist Sonntag, Ferien, der Tierarzt ist nicht da oder spät Abends. Es muss nicht notwendig sein, aber es ist nicht verkehrt sich über diese Option Gedanken zu machen. Wenn Du es nicht selber kannst (oder willst) wer könnte Dir helfen?

#4 Wo bleibt der Hahn?

Wenn Du ausschliesslich mit Junghennen startest und sicher bist, dass Du keine Deiner Hennen je brüten lassen willst, dann überspring diesen Punkt.

Aber Du erinnerst Dich an das Hühnervirus?

Irgendwann kommst Du vermutlich doch an den Punkt wo Du deine Hühnerschar vermehren willst. Oder Du willst sowieso mit Küken oder Bruteiern starten? Kleine Küken heranwachsen zu sehen ist so mit das Niedlichste was es gibt. Und wenn Du Dich für eine brutfreudige Rasse entscheidest, ist es auch schön, wenn gluckende Hennen diesem Instinkt nachgehen dürfen und Du zusehen kannst wie wunderbar sie ihre Kleinen führen.
Da die Chance auf Hahn oder Henne aber nun ml 50/50 ist, mußt Du Dir einen Schlachtplan (im wahrsten Sinne des Wortes…) für überschüssige Hähne überlegen.

Mehr als ein Hahn, geht das?

Hähne untereinander können durchaus friedlich leben (so die Berichte anderer Hühnerhalter), wenn die Rangordnung klar ist und wenn genug Hennen für beide da sind. Aber das ist Charaktersache und genauso kann es zu gefährlichen Rangkämpfen kommen, vom zusätzlichen Lärm ganz zu schweigen. Und auch aus Rücksicht auf die Hennen muss das Verhältnis stimmen, damit sie nicht zuviel getreten (und damit evt. verletzt und gestresst) werden. Mehrere getrennte Ausläufe, mehr Hennen, tolerante (oder keine) Nachbarn: Kann alles gut gehen, aber wenn nicht, musst du wissen wo die Tiere hinkönnen. Denn die wenigsten Halter suchen Hähne – wenn Du nicht gerade prächtige Rasseexemplare die noch dazu kräh-faul sind zu verschenken hast… Es gibt aber z.b. auf Facebook eine Gruppe die auch Hähne vermittelt.

#5 Den Feind nicht (er)kennen

Neben den offensichtliche Fressfeinden wie Fuchs, Marder oder Greifvögeln gibt es je nach Wohngebiet auch andere Gefahren wie freilaufende Hunde oder auch Katzen.

Wir leben am Ortsrand und ein Wäldchen ist in der Nähe, da ist der Fuchs immer eine Gefahr – vor 2 Jahren hat er unsere drei Hühner mitten am Tag in 5 Minuten rotzfrech gerissen. Außerdem ist unser Grundstück direkt an der Gassi-Promenade und ab unserem Grundstück ist die Leine meistens schon vom Hund. Wir haben zwar ein Bollwerk an Hecke, die als Schutz dient, aufs anschließende Feld würde ich die Hühner aber nicht lassen – die Versuchung für die Hunde wäre zu groß.
Nachbars Katzen stromern gern durch unseren Garten und es gibt ein ebenbürtiges, gegenseitiges Begaffen mit unseren große Orpington Hühnern. Wenn wieder Küken schlüpfen, werde ich aber sichergehen, dass der Kükenauslauf auch oben mit Draht gesichert ist.
Du kannst nicht alles 100% schützen, aber die offensichtlichen Schwachstellen kennen und vorsorgen. Sonst ist das Entsetzen und die Trauer groß, wenn die frisch geschlüpften Küken einer (vielleicht sogar Deiner eigenen) „Schmusekatze“ zum Opfer fallen.

Da gibts doch noch viel mehr! Was muss ich noch alles bedenken?

Futter, Einstreu und Utensilien wie Tränke und Futterspender sind Geschmack- und/oder Glaubenssache und pendeln sich ein. Zu jedem Aspekt der Hühnerhaltung wirst Du gegensätzliche Meinungen und Empfehlungen finden. Sammele Deine eigenen Erfahrungen – es sind Deine Hühner, Dein Garten, Dein Alltag, Dein Budget. Was für den einen passt, muss nicht für Dich passen. Die Lust am Experimentieren kommt von allein. Das Wissen um die Tiere, wie sie so ticken und wann es ihnen nicht gut geht, auch.
Wenn du auf einen sauberen Stall & Auslauf achtest und Dir die Zeit nimmst, deine Tiere regelmäßig zu beobachten, tust Du ihnen und Dir den größten Gefallen. Und ganz ehrlich: was gibt es Entspannenderes als eine Tasse Kaffe im Garten mit Hühner-TV?

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Kommentare

    • Denise

      Hallo Kerstin, der Garten nicht am Haus und kein fliessendes Wasser im Garten wären für mich überhaupt keine Ausschlusskriterien. 🙂 solange der Garten (wo auch immer er dann ist) groß genug ist und Du dort einen ordentlichen Stall hast, ist das kein Problem. Wegen dem Wasser: wir haben auch kein Wasser im Garten, ich hole es halt mit dem Eimer aus der Leitung, bzw. wenn es geregnet hat trinken die Hühner eh überall nur nicht aus ihrem Wasserbehälter. Wenn der Weg vom Haus zu Eurem Garten zu weit wäre um täglich das Wasser zu schleppen könntest Du Dir entweder einen Schlauch legen oder eben mit der Regenwassersammlung arbeiten (das wär natürlich das Optimum). Mach Dich im winter an die Stall- und Auslaufplanung und hol Dir im Frühjahr Deine Hühner! Pendelt sich dann alles ein mit der Zeit.
      Viel Spaß beim Planen!

    • Denise

      Hi David, das ist ja eine witzige Idee mit dem Online-Kurs 🙂 du schreibst aber, dass der Stall nicht kälter als 5°C sein sollte, da würde ich mir keine Sorgen machen. Dämmugn halte ich persönlich für problematischer, da sich schnell Milben einnisten und dann wirds stressig… Hühner können niedrige Temperaturen gut ab – ich würd mir erst so ab -10° Aussentemperatur Gedanken machen ob man mit etwas mehr Einstreu oder einer Wärmekiste Abhilfe schafft. Die gebauten Ställe sehen gut aus – schön, wenn sich so mehr Menschen für die Hühnerhaltung im Garten begeistern lassen! Liebe Grüße, Denise

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