Hühnerfutter einfach fermentieren

Lesedauer ca. 8 Minuten

Fermentierte Körner für gesunde Hühner

Anfang des Jahres habe ich schon über die Vorteile fermentierter Körner im Hühnerfutter geschrieben. Ich hatte die Fermentation über den Sommer ruhen lassen weil sich kein praktisches Plätzchen für den Behälter fand, der nicht zu warm war. (Normalerweise steht er in der Werkstatt, aber da waren es tagsüber immer gut über 20°C). Jetzt wo die Hühner in die Mauser kommen und es kühler und nasser wird habe ich das Fermentieren wieder angefangen um meinen Hühnern etwas Gutes zu tun und ihre Verdauung und das Immunsystem mit probiotischen Bakterien zu unterstützen.

Ganzes, gebrochenes oder geschrotetes Getreide fermentieren?

Völlig egal. Fermentieren kannst Du so ziemlich alles. Ich habe auch schon Anleitungen für fermentiertes Legemehl gesehen. Ich habe keine besondere Mischung gekauft sondern verwende die Standard-Geflügel-Körnermischung von der Mühle im Nachbardorf. Egal was Du gerade verfütterst an Getreide – einfach mal ausprobieren!

Fermentieren 3 x 3

Mein erstes System bestand aus 3 Behältern, die ich im Rhytmus von je 3 Tagen mit einer Tagesration an Körnerfutter neu angesetzt habe. Das Ganze hat ein bisschen Tüftelei erfordert, da ja das Getreide aufquillt und man nach dem Fermentieren mehr Masse hat die dann verfüttert werden kann. Aber nicht unbedingt soll – von der Masse her wollte ich nicht mehr füttern, schliesslich ist es ja nur das „Zuckerl“ und nicht das eigentliche Futter.

Ich messe das Hühnerfutter täglich mit einem kleinen Becher ab, von dem ich weiß, dass der Inhalt bei Körnern und Legemehl in etwa 100g beträgt. Ich wiege also nix ab, sondern mische becherweise und das klappt ganz gut. Ich wollt’s jetzt nicht übertreiben.

Fermentieren im „Endlos“ System

Im Frühling bin ich aus Zeit- und Platzgründen auf ein einfacheres und, wie ich finde, sogar „deppensichereres“ System umgestiegen. Mir reicht ein großer Topf, oder ein großes Glas und alle paar Tage frisches Wasser. Keine drei Töpfe die überwacht werden müssen, ob nicht doch was schimmelt, ob auch alles gerührt wurde und dann die Verwirrung welches jetzt eigentlich der „fertige“ Topf ist (hört sich theoretisch nicht kompliziert an, 3 Töpfe auseinanderzuhalten, aber ich kam da irgendwie immer durcheinander, weil ich sie so komisch stapeln musste…).

So geht’s:

Gib soviel Körner wie Du an 2-3 Tagen verfüttern würdest in einen großen Plastik- oder Glasbehälter und bedecke die Körner mit reichlich Wasser. Das Ganze mit einem Holz- oder Plastiklöffel gut umrühren und darauf achten dass wirklich alle Körner unterwasser sind.  Von oben mit einem Deckel oder Gaze o.ä. vor Getier schützen und 3 Tage fermentieren lassen.
Immer wieder umrühren wenn Du vorbeigehst und ggf. Wasser zugeben damit die Körner immer mit reichlich Wasser bedeckt sind (weil sie ja aufquellen).

Am 3. Tag kannst Du zum ersten Mal eine Portion fermentierte Körner entnehmen.

Ich schöpfe eben mit meinem Becher (mein Einheitsmaß) soviel raus wie benötigt und gebe in etwa dieselbe Menge neuer Körner dazu. Darf ein bisschen weniger sein, denn sie gewinnen ja an Masse.

Dann wieder ordentlich umrühren und so geht es jetzt jeden Tag weiter:
Portion entnehmen, neue Körner dazu. Alle 2 Tage mußt Du sicher Wasser nachgiessen um sicherzugehen, dass alle Körner immer gut bedeckt sind und sich kein Schimmel bilden kann. Der Fermentationsprozess kann nur anaerob stattfinden!

Ich gebe gerne immer noch 1 Tasse von der Fermentations-Lake mit ins Futter um das Legemehl schön „einzubatzen“ und noch eine extra Portion Milchsäurebakterien ins Futter zu bekommen. Daher achte ich sowieso immer auf ordentlich viel Wasser im Behälter.

Dass ich in meinem fermentierten Futter auch Körner habe die nur 1 oder 2 Tage fermentiert wurden ist nicht schlimm. Das wiegt sich mit den anderen Körnern die schon länger drin liegen gut auf. Allein das Getreide eine Nacht einzuweichen verbessert ja schon die Nährstoffverfügbarkeit.

Und dadurch, dass die Lake immer weiter reifen kann, ist auch die Chance auf Schimmelbildung geringer, als wenn ich jedes Mal von Null anfangen muss. Die Fäulnisbakterien haben wenig Chancen wenn das Gleichgewicht im Ferment schon so zu ihren Ungunsten steht.

Also auf immer und ewig…?

Ok, so ganz „endlos“ lass ich mein System auch nicht laufen. Ich fermentiere derzeit die Körnermischung für Geflügel, bei der die Körner gebrochen/gequetscht sind und sich mit in der Masse also ein leichtes „Getreide-Puder“ befindet. Ich finde, so nach 2-3 Wochen setzt sich das einfach zuviel im Gefäß ab und wird so schleimig. Die Hühner fressen es trotzdem sehr gern, aber mir wird’s einfach zu unappetitlich. D.h. alle paar Wochen mach ich den Behälter leer und setze parallel einen neuen großen Pott an.

Wenn dieser Sack Körnerfutter durch ist, werde ich mir die einzelnen Komponenten (also Mais und Weizen) als ganze Körner kaufen und damit mal experimentieren. Meine Vermutung ist, dass dann das Auge um Eingies länger „mitessen“ kann. 🙂 Und günstiger ist es vermutlich auch.

Tipps zum Fermentieren

Ein paar Dinge, die zu einem Guten Gelingen der Fermentation beitragen:

  • mit sauberen, heiß ausgespülten Behältern starten
  • Glasbehälter oder Eimer aus lebensmittelechtem Plastik verwenden – kein Metall!
  • wenn das Wasser, das Du zum Fermentieren nutzen willst gechlort wurde, solltest Du es vorher filtern (BRITTA o.ä.), abkochen oder zumindest 24 Stunden stehen lassen. (Ich benutze normales Leitungswasser, aber bei uns wird das Wasser auch nicht gechlort.)
  • Bedecke den Behälter mit einem Stück Gaze, Mulltuch, o.ä. Oder mit einem Deckel den du nur leicht drauflegst. Nicht fest verschliessen! Das Ganze kann sonst platzen…
  • Brottrunk (z.b. von Kanne) kannst Du als Starter oder auch zwischendrin (wenn Du das Gefühl hast die Sache könnte „kippen“) mit dazugeben um den Milchsäurebakterien die Oberhand zu geben.
  • Ich habe versuchsweise zum Start einen Schuss naturtrüben Apfelessig mit ins Wasser gegeben. Ich bilde mir ein, das hat den Fermentationsprozess etwas verlangsamt, könnte aber auch dazu beitragen die Schimmelbildung zu unterdrücken, bis sich das Verhältnis der Bakterien zugunsten der Milchsäurebakterien eingependelt hat. Wem also das Ferment gleich zu Anfang immer kippt, könnte das mal probieren. Nach einem wie gesagt etwas langsameren Start läuft diese Charge aber wie gewohnt.

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