Henne entglucken – wie geht das?

„Entglucken“ – wie? was??


Es gibt Rassen, da möchte ich mit 90% Sicherheit behaupten Du hast schonmal den Begriff „wie entglucke ich eine Henne“ gegoogelt. 😉

Meine Lieblingshühner, die Orpingtons, zählen zum Beispiel dazu. Aber auch andere brutfreudige Rassen wie zum Beispiel Cochins, Seidenhühner oder die schwergewichtigen Brahmas sind bekannt für ihre gute eignung zur Naturbrut.
Klar, manchmal freust Du Dich wie ein Schnitzel wenn endlich eine Henne gluckt: Küken aus Naturzucht sind so ziemlich das Nidelichste was man im eigenen Garten beobachten kann!
Aber nicht immer passt Dir das überhaupt in den Kram oder Du hast vielleicht gar keinen Hahn der die Eier befruchten könnte die da unter der festgeklebten Henne im Nest liegen….! Oder du willst einfach nicht mehr Hühner haben, Punkt. Ist schliesslich alles eine Platzfrage und am Ende steht auch immer die unvermeidliche „Hähnchen-Frage“: Was machst du, wenn auch Hähne schlüpfen, oder sogar nur??

Und letztlich ist es sowieso meistens so: wenn Du Naturbrut willst, sitzt natürlich grundsätzlich keine Deiner Hennen. Aber wenn’s Dir echt nicht in den Kram passt, dann kriegen alle ihren Brutwahn. Garantiert. 😉

Wie gewöhnt man einer Henne das Brüten ab?

Damit das klar ist: die Sache kann dauern.
Wenn sich eine Henne erst einmal entschlossen hat zu brüten, musst Du u.U. zu ziemlich rabiaten Methoden greifen und dieses Instinktverhalten wieder umzukehren oder abzustellen.

Wann brütet eine Henne

Die klassische Jahreszeit in der Hennen Brutverhalten zeigen ist der Frühling, logisch.
Die Temperaturen steigen, die Tage werden länger und die Henne weiß instinktiv dass jetzt die besten Bedingungen herrschen um Küken aufzuziehen.
Ob die Eier die sie ausbrütet befruchtet sind (also ob Du einen Hahn hast) ist ihr dabei völlig egal.
Im Fall meiner Henne sogar ob da überhaupt Eier im Nest liegen! :))
Wenn es losgeht wird ein Schalter umgelegt und dann sitzt sie. Fremde Eier werden schupps unter den Bauch gerollt, egal von wem, egal wann gelegt.

Wie brütet die Henne am liebsten

Drei Faktoren bringen Deine Henne so richtig in Brutlaune:

  • Schön dunkel muss es sein
  • Schön warm muss es sein
  • Schön ruhig muss es sein

Deine Henne wird sich 3 Wochen (21 Tage exakt) in ein kuscheliges Nest zurückziehen und dort von früh bis spät sitzen.
Und sitzen.
Und sitzen.
Und… genau. Sitzen.

Aufgestanden wird einmal am Tag um kurz zu fressen, zu trinken, das Gefieder kurz zu putzen und den berühmt-berüchtigten „Gluckenschiss“ abzusetzen.
Du wirst ihn erkennen wenn du ihn siehst – glaub mir!!
Und schon beim Aufstehen kannst Du Deiner Henne ansehen wie anstrengend das permanente Sitzen und warm halten der Eier ist: Sie geht etwas wackelig, steif, tapsig und du merkst ,dass sie sich erst mal so richtig strecken muss bis sie sich wieder normal bewegen kann.
Was das nach drei Wochen mit so einem kleinen Körper macht kannst Du Dir vorstellen.

Aber am Ende gibt’s ja süße kleine Küken als Belohnung.
Oder nicht…?

Was also wenn da gar nichts schlüpfen kann? Weil du keinen Hahn hast, weil der Hahn einfach zu alt ist (wie meiner), weil du Deiner Henne die Eier immer wegnimmst.
(Evt. kannst Du nicht noch weitere Hühner im Garten versorgen)
Dann würde sie ja 3 Wochen sitzen, an ihre körperlichen Grenzen gehen, und alles für Nix???
Na prima.

Versteht sich von selbst, dass Du Deiner Henne das ersparst, oder?

Wie hältst Du Deine Henne erfolgreich vom Glucken ab?

Ich werde dir jetzt ein paar Methoden vorstellen mit denen du dieses Instinktverhalten abstellen, beziehungsweise unterbrechen kannst.
Sei gewarnt: einfach ist es nicht!
Und manchmal wirst Du Dir vielleicht denken „bah, ist das fies! Die arme Henne…kann ich sie nicht einfach noch ein bisschen sitzen lassen? Sie wird schon irgendwann aufhören!“

Ganz ehrlich: eine echte Glucke gibt nicht auf.
Sie zieht die 3 Wochen durch bis zum bitterem Ende.

Genauso konsequent musst Du auch dabei vorgehen. Weil am Ende hast Du nichts davon, wenn Du halbherzig versuchst Deine Henne zu entglucken und ihr beide quält euch ein paar Tage und dann sitzt sie doch wieder ihre 3 Wochen. Also entschlossen ans Werk und dann durchziehen.

Ändere die äußeren Bedingungen

Du erinnerst Dich: warm, ruhig, dunkel?
Fangen wir mal mit „dunkel“ an
Die einfachste Maßnahme ist: Du setzt Deine Henne in ein separates Gehege ohne Zugang zum Stall, zum Nest, oder andere lauschige Eckchen.
Damit hast Du indirekt auch schon Punkt 2 abgehakt. Die neue Umgebung und möglicherweise die Trennung von der restlichen Hühnerherde ist schon ein kleiner Stressfaktor, der aber oft noch überhaupt nicht reicht um dieses Verhalten abzustellen. Im Zweifelsfall ist eine Henne vielleicht sogar froh vom Rest der Hühnerschar getrennt zu sein – da hat sie dann noch mehr Ruhe. Kommt eben auf Deine Truppe an.

Aber hell, exponiert, nicht abgeschieden vom häuslcihen Trubel (z.B. Deinem Garten), das sind schonmal schlechte Bedingungen um gemütlich zu brüten.

Aus ist’s mit der Ruhe!

Im huehner-info Forum habe ich gelesen, dass jemand seine Glucke in einem Gitterkäfig quasi am Gartenzaun „ausgestellt“ hat. Jeder der vorbeiging sollte mal klopfen, rütteln oder was auch immer. Das muss die Henne echt gestresst haben – dass sie dann ziemlich schnell genug vom Brüten hat, ist klar.
Mir persönlich ist die Methode zu heftig.

Das Maximum was ich an „Stress“ über’s Herz bringe, ist dass ich meine Henne immer wieder vom Nest schmeisse, sie in einen separaten Auslauf stecke und sie jedesmal wenn ich vorbeigehe kurz hochebe. Bei meiner Spätgluckerin hat das nicht gereicht. Sie hat das stoisch erstragen und ist dann bei der erstbesten Gelegenheit wieder ab auf’s Nest geflitzt.
Konsequent…? Da hat’s bei mir einfach nicht gereicht 🙂

Schön frisch um den Bauch!

Wenn Du dafür sorgst, dass es Deiner Henne etwas frisch wird, schlägst Du auch 2 Fliegen mit einer Klappe. Bisschen Stress und etwas unangenehm, aber vor allem keine Möglichkeit den Mama-Motor auf Hochtouren laufen zu lassen. Brüten bedeutet: Wärme erzeugen. Wenn es Deiner Henne frisch ums Bäuchlein ist, kann sie schlecht brüten.

Die gängigste Methode ist das Separieren der Henne in einem erhöhten Gitterkäfig.
Wichtig: mit Gitterboden! (Gitter aussenrum reicht nicht)
Von unten kommt’s immer frisch herein, die Henne sitzt exponiert und hell und nach 1-2 Tagen sollte die Sache ausgestanden sein.

So geht Dein perfekter Hühnergarten!

Egal ob Du am Anfang Deines Hühnertraums stehst oder schon Hühner hast:
Dein Hobby soll Dir Freude bereiten - nicht Frust. Ich zeige Dir, wie Du mit ein paar einfachen Grundregeln zu Deinem eigenen Stück Selbstversorgung kommst: ein kunterbunter Garten mit glücklichen Hühnern, vielen Eiern und wenig Arbeit.

Wenn Du keinen Gitterkäfig zur Hand hast (so wie ich), gibt’s noch eine Methode die jeder umsetzen kann und die erfolgreich ist:

Eine Henne mit Wasser entglucken

Keine Panik: hier wird kein Tier gequält und untergetaucht oder solche Scherze!!
Aber frisches Wasser kühlt Deine Henne nun mal ziemlich effektiv runter und ein tropfnasses Gefieder eignet sich auch nicht wirklich um kuschelig auf Betriebstemperatur zu laufen.
So geht’s:

  • Füll eine Wanne, Wäschekorb o.ä. mit kühlem Wasser. (Es muss kein Eiswasser oder sowas sein! Aber auch nicht Badewannentemperatur – kühl eben.)
  • Halte Deine Henne von oben fest, indem Du ihre Flügel umschliesst – nur für den Fall, dass sie das Flattern anfängt. Das wollt ihr beide nicht, glaub mir!
  • Tauche die Henne bis zum Hals in das Wasser und schwenk sie ein bisschen hin und her – 30 Sekunden sollten reichen. Ihr Gefieder isoliert gut und sie soll schon ordentlich nass werden.
  • Heb sie raus, setz sie ab und gib ihr ein paar Körner o.ä. als Leckerli. (Kann aber auch sein, dass sie die links liegen lässt und kreuzbeleidigt ist)
https://www.youtube.com/watch?v=33Z9gxgnNOk

Wichtig: bitte wähle diese Methode nur, wenn es draussen warm genug ist!
Deine Henne soll zwar runtergekühlt werden, aber für den Winter ist das Wassertauchen tabu! Ihr Gefieder muss gut trocknen können, sonst kann sie sich genau wie Du eine Erkältung zuziehen.

Bei meiner Henne hat es insgesamt 3 Durchgänge gebraucht, über 2 Tage verteilt.
Nachts habe ich die Nester im Stall verbarrikadiert und tagsüber wurde sie in einem separaten Gehege gehalten, bis alle Hennen fertig mit Eierlegen waren und ich den Stall bis zur Schlafenszeit schliessen konnte.

Aber verglichen mit dem ständigen Rausheben, abstecken, nachschaun usw. war das vertretbar und so gesehen kurz und schmerzlos.
Wenn das Wasser noch kälter gewesen wäre (ich habe sie in der Regentonne gebadet), wäre es vermutlich schneller gegangen. Und erst beim dritten Durchlauf habe ich sie wirklich bis zum Hals eingetaucht.

Ist das nicht Tierquälerei?

Keine Sorge – meine Henne fand das zwar insgesamt (vor allem nach dem Bad) nicht so toll, aber während dem Bad hatte ich fast das Gefühl sie genießt es!
Sie ist schon alt und recht schwer und dieses Schweben im Wasser muss für sie total entspannend gewesen sein. 🙂 Ich habe meine Hände zwischendurch weggenommen (als sie noch nicht bis zum Hals untergetacht wurde, sondern nur der Bauch im Wasser war) und sie ist einfach so ruhig vor sich hin geschwebt, wie eine gefiederte Boje. Ohne Beschwerde, ohne Geflatter, einfach geschwebt.

Nach einer beleidigten Beschwerde beim Hahn ist sie jetzt wieder munter und denkt gar nicht mehr daran in den Stall und zum Nest zu laufen. Draussen ist es viel spannender und sie frisst, scharrt und zuckelt durch die Gegend wie gewohnt.
Ich gestehe: ich bin sehr erleichtert!

Entglucken mit Homöopathie – geht das?

Vielleicht hast Du schon gehört, das Pulsatilla beim Entglucken helfen soll?
Ich bin weder Tierärztin noch Homöopathin, aber dass ein natürlicher Zustand mit Homöopathie „weggezaubert“ werden kann bezweifle ich stark.

Wann Pulsatilla doch wirken könnte: wenn das Brutverhalten Deiner Henne eben nicht „normal“ ist.
Wenn es komplett unvorhersehbar im Winter passiert z.B. Oder die Henne eben erst gebrütet hat und eigentlich Küken führen sollte. Dann kannst Du versuchen mit Homöopathischen Mitteln wie Pulsatilla, den Körper Deiner Henne wieder „ins Lot“ zu bringen. Tiere reagieren super auf Homöopathie und eine „Pulsatilla Henne“ mit unnatürlichem Brutverhalten kann da gut drauf anspringen.
Im huehner-info.de Forum haben Hühnerhalter von erfolgen mit der Gabe von D30/C30 berichtet – probieren kannst Du’s.
2 Kügelchen direkt in den Schnabel.

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