Kammerfrierungen bei Hühnern vermeiden

„Hühnern den Kamm eincremen“ – echt jetzt?!
…das klingt doch nach Beauty-Spa für vermenschlichte Haustierhühnchen!
Weit gefehlt 🙂

Erfrierungen bei Hühnern

Also erst behaupte ich, Hühnern macht Kälte nix aus und jetzt soll’s gleich Erfrierungen geben?! Was denn nun??

Beides!
Wenn Deine Hühner ihm Herbst erfolgreich die Mauser durchgemacht haben, ist ihr dichtes, weiches Gefieder der optimale Winterschutz. Gerade so richtig klirrend kalte Wintertage, an denen sich die Luft fast trocken anfühlt, sind null Problem. Zweistellige Minusgrade hin oder her.
Desto feuchter es wird, desto unangenehmer für die Hühner. Aber letztlich heißt das meistens auch wärmere Luft und dann hält sich das Frieren wieder die Waage. Nachts sitzen alle mollig auf der Sitzstange, Füße gut im warmen Gefieder versteckt und den Kopf schön tief reingekuschelt.
Also alles paletti?

Leider gibt’s ein Körperteil, was so gar nicht in die hausgemachte Daunendecke verschwinden kann: der Kamm.

Je nach Rasse haben Hühner entweder sehr unscheinbare Kämme, oder große, schlappende Kämme. Manche haben sogenannte Rosenkämme – eher fleischige, wulstige Knuppel in Form einer Rosette. Das Kammgewebe ist gut durchblutet; entsprechend furchtbar sehen Kammverletzungen aus. Ein richtiges Blutbad!
Ob Kämme tatsächlich stark innerviert sind, konnte ich noch nicht herausfinden. Trotzdem sind natürlich genug Rezeptoren da um Verletzungen schmerzhaft zu machen.

Im Winter bemerkst Du vielleicht, dass die Kämme Deiner Hennen und Hähner „trocken“ aussehen, wie von weißlichen feinen Linien durchzogen.
Das kann bei Schlap-Kämmen schnell mal so aussehen: die Bewegung, die durch das hin und her „Schlappen“ entsteht, beansprucht die trockene Haut an diesen Stellen stärker, so dass sie schlimmstenfalls fast „brüchig“ wird.

Warum das so ist? Um dem Wärmeverlust entgegenzuwirken, sind die Kämme schlechter durchblutet als sonst: das kennst Du von dir selbst, wenn Du im Winter Deine Hände beobachtest. Die Durchblutung fährt in den Fingern runter, sie werden gefühlloser, trockener, tauber. Ein ganz natürlicher Schutzmechanismus, der verhindert, dass Du die wichtige Körperwärme einfach nach draussen „verschwendest“.

Huhn mit verfärbtem Kamm

Du hast ein Huhn, bei dem der Kamm so seltsam hellgelbe, weißliche Spitzen hat? So als wäre der Kamm farblos geworden?
Du ahnst es: hier ist das Gewebe schon gefroren…!

Wenn es nicht kälter wird oder der Kamm starker Feuchtigkeit + Kälte ausgesetzt wird mußt Du dir aber keine Sorgen machen: die Haut wird sich wieder erholen.

Beim Hahn färben sich die Kammspitzen schwarz

Meistens erwischt es bei Erfrierungen eher die Hähne. Warum? Aus dem banalen Grund, weil sie größere Kämme haben.
Wenn die Spitzen schon schwarz verfärbt sind, kann die Haut nicht mehr viel machen: das Gewebe ist quasi tot.

So passiert bei meinem Hahn, nachdem es nachts zweistellige Minusgrade im höheren Bereich (-18°C) hatte.
Die schwarzen Spitzen sind ihm im Laufe des Jahres irgendwann abgefallen – waren einfach weg.
Der Kamm war entsprechend kürzer und das war dann das ende der Geschichte. Also nicht weiter schlimm.

Sterben Hühner an Erfrierungen?

Wenn’s sehr blöd läuft: ja.
Ist der Kamm komplett abgefroren, kann sich eine Gangrän entwickeln, die sich dann wiederum mit Bakterien besiedelt.
Und gelangen diese Bakterien in den Blutkreislauf kann eine Blutvergiftung die Folge sein.

Zugegeben: das passiert selten. Aber schon die weitaus harmloseren Vorstufen mußt Du Deinen Hühnern nicht zumuten, oder?

Können Hühnern die Kehllappen erfrieren?

Wie gesagt: nacht, wenn die tiefsten Temperaturen zu erwarten sind, liegen die Kehllappen relativ gut geschützt am/im Gefieder der Hühner.
Und auch tagsüber sind sie einfach nicht so exponiert wie der Kamm.

Problemfall Hühnertränke

Einfach, praktisch – gut?
Die klassische kopfüber-Tränke mit Wasserrinne hat wenig Nachteile – im Winter leider einen entscheidenden: den Hühnern hängen beim Trinken gern mal die Kehllappen im Wasser.

Tropfnass in’s frostige Draussen gehen? Nicht optimal. Dass sich da dann dünne Eisschichten bilden ist logisch.
Da hilfst Du Deinen Hühnern mit einer kleinen Einschmier-Session in jedem Fall.

Besser: gleich eine Nippeltränke verwenden
Ich hab seit Neuestem eine im Einsatz und bin seeehr begeistert*. Neben anderen Vorteilen muss ich mir um die Kehllappen der Hühner keine Sorgen mehr machen.

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Hühnerkamm und Kehllappen einschmieren

Um Erfrierungen am Kamm vorzubeugen kannst Du die Kämme Deiner Hühner mit einer wasserabweisenden „Schmiere“ einreiben.
Ich sage bewußt „Schmiere“, weil Du bei Creme vielleicht eine falsche Vorstellung bekommst.

Vaseline & Melkfett gegen Erfrierungen

Transparent „fettig“ und so richtig wasserabweisend wirkt Vaseline (= PETROLATUM). Kennt wirklich jeder, sieht (und riecht) wie irgendwas was auf Motoren gehört, aber weniger auf die Haut. Erfüllt aber seinen Zweck: die Haut vor gefrierender Feuchtigkeit zuschüten. Durch eine Schicht Vaseline geht nix durch: kein Wasser von aussen, keine Feuchtigkeit von innen.

Melkfett ist quasi Valesine mit Extras.
Hauptbestandteil ist Vaseline (also Petrolatum), Paraffinum liquidum (Paraffinöl, also Mineralöl) und ein paar pflegendere Komponenten wie bspw. Lanolin, pflanzliche Ölen und evt. Extrakte wundheilender Kräuter/Blüten wie Calendula (Ringelblume).

Beide kosten wenig und sind in jeder Drogerie erhältlich.
Ich persönlich verwende lieber Melkfett – schon allein, weil so ein Pott „Schmiere“ bei uns nicht nur den Hühnern auf den Kopf, sondern auch meinen Kindern ins Gesicht und mir an die Hände kommt.

So geht Dein perfekter Hühnergarten!

Egal ob Du am Anfang Deines Hühnertraums stehst oder schon Hühner hast:
Dein Hobby soll Dir Freude bereiten - nicht Frust. Ich zeige Dir, wie Du mit ein paar einfachen Grundregeln zu Deinem eigenen Stück Selbstversorgung kommst: ein kunterbunter Garten mit glücklichen Hühnern, vielen Eiern und wenig Arbeit.

Lecker Erdöl…?

Der Name verräts: Petrolatum, das wächst nicht auf der Wiese. Wenn bei Dir Mineralöle wie Paraffin nicht in die Tube kommen dürfen, empfehle ich Dir Melkfett auf Bienenwachsbasis oder auf Basis pflanzlicher Öle.

Bei eierschachteln.de gibt’s ein feines Bio-Melkfett, dass komplett auf Erdölderivate verzichtet*.

Lanolin (Wollwachs)

Was den Schafen die Wolle trockenhält, ist auch bei Deinen Hühnern nützlich. Das Wollwachs Lanolin wirkt wasserabweisend und pflegend.
In vielen Wind & Wettercremes mit enthalten, kannst Du es aber auch pur kaufen und so verwenden.

Wichtig ist vor allem eins: kein Wasser!

Hast Du einen Cremetigel in der Hand auf dem in der Zutatenliste „AQUA“ vermerkt ist: Finger weg!
Das gilt für die dick-schmierige NIVEA Creme genauso wie für reichhaltige Handcremes, Gesichtscremes usw.

Übrigens: auch Butter ist ein No-Go!
Denn Butter enthält natürlich genauso Wasser.

Fett ist also nicht gleich Fett.

Pflanzenöl zum Einschmieren gegen Erfrierungen

Flüssiges Pflanzenöl aus dem Küchenschrank würde ich nicht zur Vorbeugung vor Erfrierungen nutzen. Anders als Cremes auf Pflanzenölbasis, hast Du bei Ölen mehr den Pflege- als den Witterungs-Schutz-Effekt. Das „Abdichten“, dass Dir Vaseline, Lanolin und Bienenwachs bieten, ist hier nicht ausreichend vorhanden. Die Haut kann noch genug „atmen“ und der Feuchtigkeitstransport ist nicht gebremst.
Ausserdem neigt Pflanzenöl dazu bei Kälte so zäh zu kleben…

Selber probieren

Im Grunde kannst du das ganz einfach bei Dir selbst testen: schmier Deine Hände mal mit Sonnenblumenöl oder Olivenöl ein und schau, wie gut sie gegen Kälte geschützt sind.

Ich habe letztens direkt erfahren wie effektiv Melkfett vor Kälte & Nässe schützt: mein Sohn möchte immer, dass ich ihm die großen Eisstücke aus der Wassertonne fische.
Wenn’s mal schnell gehen muss, mach ich das mit der bloßen Hand, so nebenher… Alter Schwede, das tut weh!!! Brennt, schmerzt, die Haut ist danach so richtig hypersensibel.
Nach dem Eincremen der Kämme meiner Hühner mit Melkfett hab ich meinen Händen auch ’ne Portion gegönnt und als ich DANN eine Portion Eis aus dem Wasser gefischt habe – nichts.
Kalt, ja. Aber kein Schmerz, keine Brennen. Einfach die Tropfen abgeschüttelt und nochmal die Hände gerieben. Alles wieder tiptop.

Dein Huhn hat einen gefrorenen Kamm?

Wenn Du und Deine Hühner doch mal von eisigen Temperaturen überrumpelt wurden und die Kämme schon Erfrierungen aufweisen: bitte nicht ins Warme schleppen!
Vermutlich hast Du das eh schon gewußt: Erfrierungen müssen langsam auftauen!!

Kennst Du bei dir selbst: die taub-kalten Finger brennen, jucken, stechen, sobald Du damit an die warme Heizung langen willst.

Klassischer Ratschlag: mit Schnee abreiben.
Kannst Du machen, achte aber darauf, dass danach alles gut trocken ist, damit die Nässe Dir dann nicht die nächste Erfrierung beschert.

Und danach? Wenn nur die Spitzen der Kämme betroffen sind, dann weiter einschmieren.
Sind die Spitzen schon schwar, ist ür diese Haustellen nichts mehr zu machen, aber das umliegende Gewebe ist dann besser geschützt.
Und wenn die Spitzen „nur“ weißlich angefroren sind, hilft regelmässiges Einschmieren der Haut sich wieder zu erholen.
Hier kann das Melkfett auf Naturölbasis mit Calendula punkten*!

Hühnerkämme einschmieren – sonst noch was?!

Hört sich nach ’ner Menge Extra-Arbeit an?
Ja, bei einer großen Hühnerschar hast Du da natürlich zu tun.

Aber so oft wird’s nicht (mehr) empfindlich kalt – oder wie oft hatten wir diesen Winter obere zweistellige Minusgrade…?
Für diese besonderen Wetterausnahmen ist ein bisschen Tierpflege schon gerechtfertigt, oder?

Warum ich das bei meinen Hühnern gerne mache (und es Dir auch ans Herz lege)

Nutze Gelegenheiten, Deine Hühner so richtig „kennenzulernen“. Mal ehrlich: hast Du die Kämme oder Kehllappen Deine Hühner eigentlich schonmal angefasst?
Hunde, Katzen, die sind alle so kuschelig und schmusig, da hast Du vermutlich keine Berührungsängste. Aber ein Huhn – so toll es auch ist – ist nicht unbedingt das zugänglichste Tier.
Dabei ist es super nützlich, wenn Du Dein Huhn oft hochhebst, im Arm hältst und auch mal alle Körperteile genauer erforscht. Kamm, Flügelunterseite, Bauch, Kehllappen, Füße…
Das Huhn gewöhnt sich an Dich und Du weißt was bei Deinem Huhn „normal“ ist und was nicht. Wenn dann doch mal was sein sollte – hast Du es wesentlich einfacher Dein Huhn zu untersuchen, zu behandeln, zu pflegen.
Und Dein Huhn muss nicht gleich in kopflose Panik ausbrechen, nur weil Du mal den Flügel anhebst oder den Kropf abtastest. 🙂

*Das ist ein Affiliate-Link (Was das ist, kannst Du hier nachlesen: Partner, Sponsoren & weitere Blogs)

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