Hühnersattel nähen – so geht’s

“Mama, was macht der Hahn denn mit der armen Henne!!”

Öhhh…
Wenn Du Hühner schonmal bei der Paarung gesehen hast, dann weißt Du: kuscheln is nich. Der Hahn rumpelt von jetzt auf gleich auf die Henne, packt sie mit dem Schnabel am Kopf und springt ihr auf den Rücken. Sie: macht sich platt (hat auch nicht wirklich eine Wahl!). Zum Dank für ihre Bereitwilligkeit wird sie vom Hahn oft noch ordentlich in den Nacken gezwickt.

Warum heißt es “Der Hahn tritt die Henne”?

Der Hahn “tritt” bei der Paarung die Henne mit den Füßen um sein Gleichgewicht zu halten. Seine teils fingerlangen Sporen helfen ihm zusätzlich, sich seitlich am Huhn zu fixieren – ist schliesslich ein Balanceakt das Ganze. *
Keine 10 Sekunden später und die beiden sind wieder getrennt. Plustern sich kurz auf, schüttelnd ihr Gefieder und gehen wieder ihrer Wege. Romantik pur.

(* umso mehr mußte ich einmal lachen, als mein großer Renzo mit Schmackes auf seine Lieblingsdame gesprungen ist, nur um vorne wieder kopfüber runterzuselgeln. Ich hab mich schier nicht eingekriegt!!! 😀 )

Die Paarung ist doch natürlich – wo ist das Problem?

Auch wenn Du darauf achtest, dass Dein Hahn genug Hennen hat um seine Gunst – theoretisch – fair zu verteilen, wird er seine Lieblingshenne haben.
Ich habe Hennen die werden nur der Form halber mal seitlich angesprungen, während andere mehrmals täglich getreten werden.

Und wenn so ein Brocken von Hahn ständig mit langen Sporen, scharfen Krallen und fiesem Gehacke auf dem Rücken der Hennen fuhrwerkt, kommt es zu Schäden.
Federn sollen schützen und isolieren und derart häufiges Paaren kann dazu führen, dass die Henne ihre Rückenfedern verliert. Unattraktiv für den Hahn wird sie dadurch nicht – getreten wird weiter: jetzt eben auf der kahlen Haut!

Das erste Anzeichen eines Federverlustes beginnt in der Nähe der Schwanzfedern. Dort, wo der Rücken einen leichten Knick zum Po hin macht.
Sieht’s dort schon hell und flaumig weich aus? Dann haben die Deckfedern bereits gelitten. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Deiner Henne einen Sattel aufziehen um das Gefieder vorbeugend zu schützen.

Huhn mit Sattel – geht das?!

Der schwierige Teil beim Hühnersatteln ist das Überziehen an sich. Wenn der Hühnersattel mal drauf ist (und die richtige Größe hat) stört er das Huhn nicht weiter.

Greif den Flügel mit einer Hand und stülp den Träger über den vorderen “Knick” im Flügel
Die Federn vorsichtig nach vorne durch den Träger ziehen
Wenn der Sattel gut sitzt, kann deine Henne ihre Flügel mühelos frei bewegen.

Musst du den Hühnersattel nachts abnehmen?

Nein. Der Sattel kann immer drauf bleiben, aber check von Zeit zu Zeit wie die Haut unter dem Sattel aussieht.
Gerötet? Schmutzig? Sind Milben drunter?! (dann hast Du definitiv zu spät geschaut!)
Wenn der Sattel feucht (vom Regen) oder sehr schmutzig ist (ein bisschen staubig ist egal), tausch ihn gegen einen neuen. Der alte kommt in die Waschmaschine.

Ein Hühnersattel der gut sitzt – nicht zu eng, nicht zu locker – schützt die Haut und lässt genug Luft dran!

Es gibt eine Unmenge an Schnittmustern im Internet und ich rate Dir Dich mal ein bisschen durchzuwühlen. Je nachdem wie Deine Henne gebaut ist und wie der Hahn sie tritt braucht sie einen breiteren, längeren, seitlich verstärkten oder sogar mit Nackenschutz ausgestatteten Hühnersattel!
Meine etwas größere Henne (R.I.P. Lavender) hatte nach der Spornverletzung einen Sattel der unter dem Flügel seiliche “Klappen” hatte – damit dieser Bereich vor den Sporen geschützt ist.

Für meine schlankere Orpington-Henne Blondie passt diese Schnittvorlage perfekt.

Hühnersattel selber machen

Gut geeignete Stoffe sind mittelfeste bis feste Baumwollstoffe, wobei ich schon jede Art von Stoff gesehen habe: sogar Plüsch!
Für mich ist wichtig, dass der Sattel robust ist, dass die Henne darunter nicht schwitzt und dass ich ihn bei hohen Temperaturen (60°C +) waschen kann.
Im Grunde ein Stoff, den ich auch gern im Sommer als Schürzlein tragen würde 🙂
Mehr Baumwolle, weniger Plastik. Aber das ist Geschmacksache.

Perfekt ist eine leichte Jeans oder andere Baumwollhose, die Du zu ein paar Hühnersätteln vernähen kannst.

Einziger Nachteil: Naturfaserstoffe trocknen langsamer, als Poly-Stoffe.
Am besten hast du ein paar Sättel als Backup in petto, damit Du Deine Henne auch mal umziehen kannst.
Der Stoff ist im Vergleich auch schwerer: Deine Henne spürt ihn also mehr.
Andererseits fliegt ein leichter Stoff aber gern mal zur Seite und erfüllt dann nicht seinen Zweck, nämlich den Schutz der freilegenden Haut.

Du brauchst:

  • ein Stück geeigneten Stoff, ca. 40 x 30 cm
  • ca. 30 cm Hosengummi / Gummilitze oder schmale Pütterbinde
  • Schere & Stecknadeln
  • Nähzeug (mit Nähmaschine geht’s in 5 Minuten)
  • Maßband oder Schnur zum Abmessen am Huhn
  • und natürlich: die Schnittvorlage

Download Schnittvorlage

Der Schnitt ist auf einem A4 Papier angelegt – Du kannst ihn einfach ausdrucken und 1:1 übernehmen.


Zuerst: Nimm bei Deiner Henne mit dem Maßband Maß: einmal quer von Flügel zu Flügel und einmal vom Nacken zum Ansatz der Schwanzfedern.

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So geht’s:

  1. Druck Dir das Schnittmuster aus und schneide es entlang der gestrichelten Linie auseinander. Jetzt kannst du es auf einem 2. Blatt Papier so positionieren, dass Breite und Länge Deinen Maßen entsprechen. Nachzeichnen und Ausschneiden.
  2. Je nachdem wie leicht oder schwer Dein Stoff ist, brauchst Du 1-3 Lagen Stoff für Deinen Hühnersattel. Entsprechend viele Exemplare schneidest Du aus.
    Wenn Du eine feste Jeans verarbeitest, reicht evt. schon eine Lage Stoff. Bei einer Chinohose o.ä. würde ich den Stoff auf alle Fälle doppelt nehmen. Der Sattel soll nicht zu schwer und steif werden, aber fest genug um nicht labberig rumzuflattern. Das ist Gefühlssache.
    Wenn Du unsicher bist: nimm erstmal eine Lage weniger und wenn Du meinst Dein Sattel braucht noch Verstärkung, kannst Du später einfach eine zusätzliche Lage von oben draufsteppen.
  3. Schneide Deine Gummilitze in 2 Stücke à ca. 15 cm (bei großen Hennen lieber etwas mehr – abschneiden kannst Du sie später immer noch.)
    Nimm ein Exemplar der ausgeschnittenen Stoffvorlage und lege die Gummilitze an die seitlichen Markierungen aus der Vorlage und lass das jeweils andere Ende der Gummis nach aussen hängen.
  4. Lege all Deine Stoffschichten passgenau übereinander und stecke sie mit Stecknadeln zusammen. Achte dabei darauf, dass Du die Gummilitze mitfasst, damit sie beim Nähen nicht wieder rausflutschen.
  5. Jetzt nähst Du mit einem großen, engen ZickZack-Stich einmal um den ganzen Rand des Sattels herum. Das fixiert einmal die einzelnen Lagen und schützt den Stoff vor dem Ausfransen.
    (Gewissenhafte Näherinnen können die die Papiervorlage auch um 1 cm Nahtzugabe erweitern und links auf links nähen.
    Wenn das für Dich böhmische Dörfer sind – kein Problem: Zickzack reicht!)
  6. Die offenen Enden der Gummilitze nähst Du per Hand an die oberen Markierungen. So kannst Du nachträglich die optimale Länge anpassen. Ich habe sie erstmal mit ein paar Stichen fixiert, meiner Henne den Sattel anprobiert und dann festgesteppt. 100% genau muss es nicht sein – die Träger sind ja dehnbar.

Du bist hoffnungslos an der Nähmaschine?

Fertige Hühnersättel gibst in den verschiedensten Varianten zu kaufen: mit Halsschutz, Bürzelschutz, wasserfest, aus Softshell, usw.
Google Suche: Hühnersattel kaufen
Kosten: ca. 10 Euro

Du brauchst Deinen Hühnersattel aber sofort!!

Dann habe ich hier noch eine Quick-Fix Schnellschussvariante für Dich, die wirklich jeder, der eine Schere gerade halten kann, hinbekommt. Die Schnitte werden irgendwann ausleiern und vom Tragekomfort ist es nicht sooo toll. Aber für eine kahle Henne ist es ein guter Not-Schutz.

Tipp: Wenn Du Deine Henne ausgemessen hast, kannst Du die Vorlage unten einfach kürzen oder verlängern, bzw. an der eingezeichneten Stoffbruchkante verbreitern oder schmäler machen.

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