Fremde Küken unter eine Glucke setzen

Manchmal will die Natur nicht so wie Du:

  • Du hast eine Glucke, aber keinen Hahn.
  • Du hast einen Hahn, aber eine miese Befruchtungsrate (also „leere“, unbefruchtete Eier)
  • Du bekommst keine Bruteier zum Unterschieben

Das Ende vom Lied: eine Hühnermama hat keine Küken um ihren Instinkt auszuleben und Du darfst Dich der undankbaren Aufgabe widmen die Ärmste auch noch zu entglucken.

Aber: Du könntest an Tagesküken kommen?

Wenn Du Dass Du einer Glucke fremde Küken unterschieben kannst, weißt Du. (Was die Voraussetzungen sind, damit das Ganze gut gelingt, kannst Du hier nochmal nachlesen.)

Oder Dir geht es wie mir: Du besorgst Dir Tagesküken um sie selber großzuziehen weil keine Deiner Hennen gluckt. Und ein paar Tage später fängt besagte Henne an zu glucken, aber die Küken sind schon falsch geprägt. Oh Mann – timing ist in der Natur eben alles 🙂

Fast alles: wilde Entschlossenheit ist das Andere!

Wild entschlossen war meine Glucke: 21 Tage war sie auf unbefruchteten Eiern gesessen und bekam nun nichts für ihre Mühen ausser einer gnadenlosen Hobbyhühnerhalterin (ich) die sie bei unwirtlichen Temperaturen in den Nest-freien Auslauf setzt.
Na, herzlichen Dank!

2 Tage nachdem klar war, dass aus den Eiern nichts schlüpft, war meine Glucke auf dem Weg der „Normalisierung“. Das Legenest hat sie nicht mehr aufgesucht, sie ist mit den anderen Hühnern mitgelaufen, hat sich zwar mal hier und da hingelegt, aber das feste Sitzen war vorbei.
Staubbaden, fressen, rumpuscheln und picken – alles wieder „business as usual“.

Bis ich meine 5 Blumenküken in den Garten gesetzt habe – der Stall im Wohnzimmer ist einfach zu klein und die Sonne hat gelockt.

Wie reagiert eine Glucke auf fremde Küken?

Was kam sie da angerannt!!! Beim ersten Kükenfiepen ist meine Glucke an das engmaschige Kükengehege gewatschelt und saß dort fest wie ein Zementblock – „MEINE Küken!“ Jede Bewegung verfolgt, gegluckt, gegurrt, keinen Zentimeter ist sie von der Stelle gewichen.

„Mir egal was ihr macht – ich bleibe bei MEINEN Küken!“

Und die Küken?
Mildes Interesse: kamen näher, haben den Kopf durch das Gitter gestreckt, mal hier gezupft, mal da… sie hatten null Angst oder Scheu – woher auch.

Nach einer halben Stunde hab ich’s dann nicht mehr ausgehalten.

Ich hab meine Glucke kurzerhand ins Kükengehege gesetzt, mich in sicherer Nähe dazu und habe der Natur ihren Lauf gelassen.

Oh Mann, das war so süß anzusehen. Wie sie sich gefreut hat!
Voll im Glucken-Modus: alle Geräusche, alle Bewegungen.
Hat gleich gezeigt wo’s was zu fressen gibt, die Küken sind auch tatsächlich auf den Schnabel angesprungen – das kannten sie von meinem Finger 😉
„Pick-Pick – hier ist was zu Fressen.“
Finger, Schnabel… beides irgendwie hautfarben und länglich, ok, das passt.

Und was macht die Glucke?

Meine Glucke ist in ihrer Rolle als Henne ein bisschen eine Garstige. Sie verteidigt ihren Platz in der Hackordnung und nimmst sich was sie will.
Als Glucke ist sie die huhnifizierte Geduld: die Küken sind auf sie draufgesprungen, haben sie am Kehllappen gezwickt, sie ins Auge gepickt – Neugier, Neugier, Neugier. „WER bist Du?!“
Glucki: stoische Ruhe.

Soweit so gut: Küken haben keine Angst, Glucke ist nicht garstig.

Wissen die Küken was die Glucke macht?

Spannend wurde es als das zarte, helle Küken anfing zu frösteln. Die anderen 4 sind viel größer, schon ordentlich befiedert und immer auf Achse.
Das kleine Blonde saß da, hat gezittert und wußte nicht wohin: nämlich unter den warmen dicken Hühnerbauch.
Ich also Hand rein, Küken unter den Flügel, einfach mal ein bisschen gehalten und Hand wieder raus.
Küken blieb drin. Erfolg!! Nach 10 Minuten kam es aufgewärmt wieder raus, alles paletti.

Wie lernt ein Küken?

Einmal gemacht ist noch lange nicht gelernt: an dem Tag bin ich bestimmt 5 mal ans Gehege: Küken fangen, Küken unter Henne, Küken dort kurz halten. Meine Glucke hat alles mit sich machen lassen.

Wie lange brauchen die Küken um zu lernen?

Am Abend stand ich also vor der Entscheidung: Küken wieder ins Haus? Weg von der Glucke (die dann am Rad drehen wird) und wieder einen Rückschritt von der Angewöhnung?
Mir war das zu riskant: die Küken könnten im Stall (auch wenn er klein ist) den Anschluss an die Glucke verlieren, einfach weil sie nicht wissen, WO es warm ist. Die Vorstellung, ich finde in der Früh ein erfrorenes Küken…!

So geht Dein perfekter Hühnergarten!

Egal ob Du am Anfang Deines Hühnertraums stehst oder schon Hühner hast:
Dein Hobby soll Dir Freude bereiten - nicht Frust. Ich zeige Dir, wie Du mit ein paar einfachen Grundregeln zu Deinem eigenen Stück Selbstversorgung kommst: ein kunterbunter Garten mit glücklichen Hühnern, vielen Eiern und wenig Arbeit.

Plan B: der Stall im Stall

Ich habe den oberen Teil meines XXL Katzenklos (jeder Hühnerhalter sollte ein XXL Katzenklo für Notfälle haben 😁 ) in den Stall gestellt, dick Decken drüber und darum herum gestopft und Glucke samt Küken hineinsteckt. Klappe davor und Riegel dazu: kein Küken kann raus.
Darin ist es groß genug, dass alle sitzen und schlafen aber eng genug um sicherzugehen, dass alle warm bleiben.

Das ist jetzt der neue „Stall im Stall“ – das ganze Katzenklo. Tragbar, gut zu reinigen, dick mit Einstreu gepolstert und schön kuschelig. Abends sind alle Küken plus Glucke drin, die Klappe wird drangemacht und dab damit in den kleinen Extra-Stall. Da geht kein Küken nachts verloren.

Ganz ehrlich: ich habe soooo gebangt! Ich bin immer wieder am Abend an den Stall und habe gehorcht ob was piept, oder schreit oder…? Das einzige was ich hören konnte: Schnurren. Jawoll, meine Henne hat geschnurrt. Anders kann man es nicht nennen. Wie wenn ein kleiner Motor sich warm läuft. 😄

Trotzdem: Ich bin um 1 Uhr nachts raus um zu horchen ob da wer kläglich fiept. Alles war ruhig. Puh!

Und als ich in der Früh den Stall aufgemacht habe: 5 putzmuntere Küken plus Glucke sind rausgetrippelt und haben sich über’s Futter hergemacht.

Jetzt sind sie schon 3 Nächte zusammen draussen – mittlerweile gehen die Küken von selber unter den Bauch der Glucke, wenn sie frieren – Juhuuu!!!

Ich bin richtig dankbar, dass das so toll geklappt hat. Meine Glucke darf Glucke sein und die Küken haben mehr Freiheit als in meinem Hausstall.

Und ich? Hab viel weniger Arbeit und Sorge 😇
Mama ist einfach die Beste!

„Please don’t try this at home“

Wie Du siehst, kann das Zusammenführen klappen. Aber ich hatte Glück und ich kenne meine Glucke schon sehr gut.
Sie ist ein Muttertier durch und durch.
Hat schon 3 mal erfolgreich Küken geführt und ich konnte beobachten wie sie drauf ist. Sie hält durch, ist unendlich geduldig und sehr aufmerksam.
Manche Glucken werden plötzlich aggressiv oder haben von jetzt auf gleich keine Lust mehr, sie sind nervös, schreckhaft…

Hätte ich Zweifel gehabt, hätte ich sie nie die Nacht über so nah mit den Küken zusammen „eingesperrt“ – das hätte auch böse enden können.

Ein Patentrezept ist es also ausdrücklich nicht. Schade – wär ja ’ne coole Sache.

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