Hühner im Sommer abkühlen – Überhitzung erkennen und vermeiden

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Muß ich meine Hühner vor Hitze schützen?

Ich gebe zu, beim Temperaturempfinden meiner Hühner bin ich erstmal von mir selbst ausgegangen: ist es denen nicht zu kalt? Der Stall ungedämmt…! Die fallen mir ja erfroren von der Stange! Tatsächlich kommen Hühner aber mit Kälte weit besser zurecht als mit Hitze. Und was für uns noch angenehmes Badewetter ist, kann einem Huhn bereits richtig zu schaffen machen.

Können Hühner schwitzen?

Hühner können nicht schwitzen wie Menschen. Über die Zunge, Schleimhäute und ihre Haut geben Sie die Wärme ab. Wenn Du Deine Hühner bei den derzeit hohen Temperaturen beobachtest, fällt Dir sicher auf, dass sie öfter die Flügel nach aussen zum Boden spreizen, als würden sie die Arme strecken. Damit lassen sie extra Luft an die Haut bzw. geben Wärme über die Luftzirkulation ab. Beim Hecheln mit leicht geöffnetem Schnabel atmen die Hühner die warme Luft aus. Über Ihren Atem verdunstet zusätzlich Feuchtigkeit und die Verdunstungskälte kühlt.

Wann ist es den Hühnern zu heiß?

Ab sommerlichen Temperaturen von etwa 28 °C kann es sinnvoll sein, Deine Hühner bei der Abkühlung zu unterstützen. Wenn Du einen großzügigen Auslauf mit schattenspendenden Bäumen und Büschen hast unter denen die Hühner auch noch staubbaden können, werden Deine Hühner vermutlich wunderbar mit hohen Temperaturen auskommen. Wenn Du aber einen kleinen, z.B. mobilen Auslauf auf dem Rasen stehen hast, der meistens in der vollen Sonne liegt, mußt Du nachhelfen.
Besonders schwüle Hitze setzt den Hühnern zu, weil der Kühlungsmechanismus über die Verdunstungskälte des Atems dann nicht so gut greift. Die Hühner versuchen das über eine schnellere Atmung auszugleichen, was aber wiederum Energie kostet und den Körper damit zusätzlich aufheizt – ein Teufelskreis.

6 Merkmale die Dir zeigen dass Deine Hühner überhitzt sind:

  1. Hecheln – Wie schon beschrieben haben die Hühner dabei den Schnabel leicht geöffnet und machen kein Geräusch. Sie atmen nur die Hitze aus.
  2. Gespreizte, hängende Flügel
  3. Deine Hühner fressen bedeutend weniger und trinken mehr
  4. Durchfall
  5. Deine Hühner wirken schlapp und erschöpft
  6. Verringerte Legeleistung und dünnere Eischalen

Das jeder mal einen Durchhänger hat bei Hitze ist klar. Achte darauf ob diese Symptome häufig und zusammen auftreten. Wenn der Organismus schon erschöpft und dehydriert ist, kann ein tödlicher Hitzschlag die Folge sein – stark auffällige Tiere brauchen sofortige Hilfe: Kühlung und flüssige Elektrolyte.

So kannst Du Deinen Hühnern helfen sich im Sommer abzukühlen

Schatten schaffen

Wenn Du keine Bäume oder Büsche im Auslauf hast, schaff künstlichen Schatten über Sonnenschirm, Vordächer am Stall, bespannte Drahtbögen, usw. Bevorzugt dort wo Deine Hühner gerne staubbaden. Künstlicher Schatten ist allerdings nicht ganz mit Schatten von Pflanzen zu vergleichen – die Verdunstung über die Blätter macht sich positiv bemerkbar. Der Baum oder Busch kühlt die ihn umgebende Luft tatsächlich ab, statt nur die Sonne zu blocken.

Tolle Büsche/Bäume für den Auslauf sind Holunder und Flieder. Beide werden (ab einer gewissen Kampfgröße) von den Hühnern nicht vernichtet und bieten genau zur heißesten Jahreszeit viel Schattenfläche. Auch Beerensträucher sind ein optimaler Bewuchs für den Auslauf und willkommenes Leckerli für die Hühner.

Wasser, Wasser, Wasser

Stell bei Hitze mehr Wasser bereit und achte darauf, dass es nicht warm wird. Am Besten steht das Wasser natürlich im Schatten. Wenn das bei Deiner Tränke machbar ist, stell Plastikflaschen mit gefrorenem Wasser als Kühlakkus mit rein. Oder friere eine Plastikwanne voll Wasser ein (Liter Packungen von Eiscreme z.B.) und stell sie neben der Tränke als Nachschub bereit. Wenn der Block schmilzt können die Hühner nach und nach das kalte Wasser abtrinken. Sollten Deine Hühner nicht so auf das Wasser anspringen kannst Du ein paar Beeren oder Erbsen o.ä. mit reinfrieren. Über die (Neu)Gier an die Früchte zu kommen nehmen die Hühner gleichzeit Flüssigkeit mit auf.

Auf dem sehr informativen, englischsprachigen Blog von Kathy Shea Mormino (www.the-chicken-chick.com) empfiehlt sie im Sommer auf die Zugabe von Apfelessig zum Trinkwasser zu verzichten. Statt dessen empfiehlt sie die Zugabe von Natron (baking soda), in einem Verhältnis von 1/4 cup pro Gallone. Das entspricht in etwa 8 g/Liter.

Als Erklärung liefert sie den Rat eines auf Geflügel spezialisierten Tierarztes, der (übersetzt) Folgendes dazu sagt: Saueres Wasser bewirkt auf bei Legehennen, dass sie das Kalzium im Futter schlechter verdauen/verwerten können (chemisch gesehen: Kalzium ist ein positives Ion und dissoziiert besser in einer alkalischen Umgebung). Professionelle Landwirte fügen regelmäßig Natron zu ihrem Futter hinzu, wenn Hitzestress erwartet wird. Das festigt die Eierschale, wenn der Futterverbrauch der Hühner aufgrund der Hitze sinkt.“

Achtung – Korrektur!

Lieste was, lernste was. Die oben zitierte Aussage von Kathy Shea Mormino macht für mich nach weiteren Recherchen keinen Sinn mehr, aus folgender Überlegung:

Naturtrüber Apfelessig zählt zu den „basischen“ Lebensmitteln (die Ausnahme unter den Essigen)

Damit wird das Trinkwasser der Hühner nicht sauer und sollte auch die Kalziumaufnahme nicht behindern.
In diesem Beitrag wird eine Studie zitiert, die explizit den positiven Einfluss von Zitronensaft im Trinkwasser auf die Festigkeit der Eierschalen untersucht. Und ebenso wie Apfelessig zählt Zitronensaft zu den „basischen“ Lebensmitteln. Was zugegeben auf den ersten Blick erstmal unlogisch klingt.

(Studie: http://www.ijabbr.com/article_7249.html)

Und jetzt, bei genauerem Lesen des Artikels fällt mir auf, dass der von Kathy Shea Mormino zitierte Arzt nicht konkret von dem Gebrauch von Apfelessig abrät und auch ihr Beispiel aus der Industrie nicht auf den VERZICHT von Apfelessig hinweist. Der Tierrzt stellt lediglich fest dass „acidified water“ (angesäuertes Wasser) schlecht wäre – aber das Wasser wäre mit naturtrübem Apfelsaft ja nicht „sauer“ in dem Sinn. Und die Industrie gibt zwar zusätzlich Natron, aber vom Verzicht auf Apfelessig ist nicht die Rede.

In diesem Sinne: bleibt beim Apfelessig, probiert den Zitronensaft und das Natron, aber vor allem viel Wasser!

Staubbad kühlen

Das Staubbad im Boden ist auch ein effektive Methode der Hühner um sich abzukühlen. Sie graben sich förmlich in die kühlere Erde hinein. Umso effektiver, wenn das Staubbad im Schatten steht und am Morgen noch zusätzlich gegossen wird.
Ich habe vor Kurzem das alte Trinkwasser ausversehen in den Lieblingsstaubbadeplatz gekippt  – ok, ein bisschen in der Hoffnung, dass sie sich einen anderen suchen, aber sie haben sich umso wohliger genau diesen genommen, als es dann heiß wurde an dem Tag.

Wenn Du ein künstliches Staubbad angelegt hast, in das die Hühner nicht reingraben können, kannst Du auch selbstgemachte Kühlakkus wie für das Trinkwasser dazu oder daneben legen. Eine einfache Idee um leicht erhöhte Flächen zu kühlen (z.B. Paletten oder kleine Steintische auf denen Futter, Wasser, Nester oder Huhn gern stehen), ist Wasser in Springformen zu frieren und darunter zu legen.

Nochmal Wasser

Nicht nur zum Trinken auch zum Plantschen kannst Du Deinen Hühnern Wasser anbieten. Eine flache stabile Schale oder Wanne mit Wasser füllen und die Hühner mal machen lassen. Das eine wird’s trinken, das andere stellt die Füße rein.

Stall kühl halten

Ein gemauerter Stall, der noch dazu im Schatten steht, wäre jetzt perfekt. Aber egal wie Dein Stall gebaut ist und steht, achte in jedem Fall darauf, dass er gut durchlüftet ist. (Eigentlich logisch: wir sitzen im Sommer auch nicht gern in der stickigen Wohnung) Wenn die Sonne tagsüber direkt in den Stall knallt, kannst Du die Fenster zusätzlich abdunkeln, indem Du sie z.B. aussen mit einem Windschutzscheibenschutz für’s Auto behängst.
Auch die Wahl der Einstreu kann einen Beitrag leisten. Sand ist als Einstreu eigentlich optimal – mir erscheint er nur für den Winter irgendwie zu kalt. Perfekt also für den Sommer! Wie beim Staubbad können Kühlakkus aus Plastikflaschen die Luft im Stall runterkühlen. Etwa neben oder unter den Legenestern, die ja meistens extra kuschelig sind.

Eiskalt serviert

Geforene Leckerlis wie Melone, Gurke, Beeren, Mais oder sogar Rührei machen den Hühnern (und vermutlich Dir) Spaß und können beim Bewältigen der Hitze helfen. Generell solltest Du bei heißem Wetter mit den Leckerlis sparsam sein – die zusätzliche Verdauungsarbeit heizt den Körper nur unnötig auf. Wenn die Hühner damit gut zurechtkommen, kann es sinnvoll sein, die Fütterungszeit auf den frühen Abend zu verlegen. Dann findet die meiste Verdauung nachts statt, wenn es eh kühl ist. Meine Hühner würden mir zwar ordentlich was husten, aber probieren kann man’s ja.

Elektrolyte – im Notfall bereithalten

Wenn Hühner weniger fressen und gleichzeitig vermehrt trinken kann es passieren, dass ihr Elektrolythaushalt gestört wird. Der Abbau von Elektrolyten kann zu einer Fehlfunktion der Nieren führen und schwächt allgemein das Immunsystem. Insbesondere Atemwegserkrankungen haben dann leichtes Spiel. Gleichzeit wird die Aufnahme /Verwertung von Kalzium behindert, was neben den im Sommer oft beobachteten Windeiern auch schwerwiegendere Folgen für Deine Hühner haben kann. Auf huehner-hof.com findest Du eine Liste der möglichen Folgen von Mangelerscheinungen.

Nicht nur bei drohender Überhitzung ist es sinnvoll sich einen Vorrat an Elektrolytpulver anzurühren. Das kannst Du bei Bedarf schnell verabreichen – im Notfall per Pipette, mit etwas Voraussicht über das Trinkwasser. Dabei bitte beachten, dass Elektrolyte nicht über einen längeren Zeitraum prohylaktisch verfüttert werden sollen und auch nur bei Tieren angeraten sind, die möglicherweise einen Mangel leiden. Gesunde Tiere brauchen keine zusätzlichen Elektrolyte!

Hier findest Du 2 Rezepte für Elektrolytlösungen

Alles Dinge, die Du aus dem Haushaltschrank selber zusammenmixen kannst. Auf Vorrat oder direkt zur frischen Zubereitung.

Und sonst so?

Die Liste der Tipps und Tricks die Pinterest & Blogs bereithalten ist lang. Aber viele davon sind mir zu Kosten-, Wasser- oder Zeit-intensiv. Vorenthalten will ich sie nicht – wo dem Einen die Tierliebe schon echt zu weit geht, da fängt beim Anderen das Betüddeln erst gerade an. Jeder spinnt halt anders für sein Federvieh.

  • Rasensprenkler laufen lassen
  • den Stall (das Dach) mit Wasser besprühen um die Luft im Stall zu kühlen
  • die Hauptwege der Hühner „fluten“ so dass sie gezwungenermassen durchs Wasser laufen müssen
  • einen großen Topf kaltes Wasser immer für Not-Tauchungen bereithalten (nicht ganz runter, nur bis zum Hals! und natürlich nur bei akuter Gefahr von Überhitzung)
  • einen Ventilator im Stall installieren
  • von Lege- auf Mastfutter umstellen, um bei verminderter Futteraufnahme die Nährstoffzufuhr gleich zu halten

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