Stallpflicht – 5 Tipps zur Haltung im Stall und wie man Stress für Hühner vermeiden kann

Stressfaktoren in der Stallhaltung und wie man sie verhindern kann

Stallpflicht bedeutet Stress für Hühner und Halter. In der Hobbyhühnerhaltung, wenn die Tiere normalerweise vorwiegend im Freien gehalten werden, fehlen bei der reinen Stallhaltung wichtige Bereiche und Voraussetzungen für gesunde Hühner. Leider verstärken sich die einzelnen Faktoren untereinander: Viele Tiere auf wenig Raum bedeutet unruhige Hühner und mehr Keime. Aus einem gestressten Huhn wird ein Huhn mit schwachem Immunsystem und die Keime haben ein leichteres Spiel. Über aufkommende Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. Federpicken schwächen sich die Tiere zusätzlich gegenseitig und bieten Keimen noch mehr Angriffsfläche. Eine Abwärtsspirale, die sich nur durch konsequente und verstärkte Stallhygiene und durch ein paar Extraeinheiten in der täglichen Routine bremsen lässt.

1 – Ein Staubbad im Auslauf anlegen (ja, im Auslauf)

Die Hühner pflegen beim Staubbaden ihr Federkleid und säubern sich von Milben und anderen Ektoparasiten. Wenn die Möglichkeit zum Staubbaden über einen längeren Zeitraum fehlt, kann der Befall von Ektoparasiten schneller überhand nehmen und die Hühner enorm schwächen. Auch der „Wellnessfaktor“ eines Staubbads spielt eine Rolle: diese wichtige Hygieneroutine nimmt einen grossen Teil des Hühner-Alltags in Anspruch und ohne sie fehlt Entspannung und Wohlgefühl. Abgesehen davon: wenn es ständig unter den Federn krabbelt werden die sowieso gestressten und gelangweilten Hühner noch nervöser.

Bei einem kleineren Stall (wie z.B. einer Gartenhütte) sollte das Staubbad möglichst ausserhalb des Stalls stehen. Perfekt ist hier eine überdachte Voliere, die mit wenig Mitteln auch aus einem Garten-Pavillon (oder Partyzelt), einem Foliengewächshaus oder sogar einem alten Campingzelt improvisiert werden kann. Alles findet sich meistens für wenig Geld (oder sogar geschenkt) über ebay Kleinanzeigen o.ä. Wer eine solche Voliere nicht direkt am Stallausgang anbringen kann, kann den Übergang vom Einen zum Enderen über Pflanztunnel oder über mit Folie bespannte Hühnertunnel bauen.
Das Staubbad selber kann eine einfache Grube sein (ca. 1x1m, 30-40 cm tief) die man mit einer Mischung aus trockener Gartenerde, Holzkohle/Asche und optional noch feinem(!) Sand (z.B. Vogelsand) füllt. Ich persönlich verzichte auf die Zugabe von Kieselgurwarum, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

Kräuter im Staubbad unterstützen zusätzlich die Bekämpfung von Ektoparasiten wie Milben und Federlingen. Gute Kräuter für das Staubbad sind beispielsweise: Lavendel, Minze, Rosmarin, Schafgarbe, Anis, Dill, Fenchel, Ingwer, Wermut
Sie wirken als natürliche Insektizide, entzündungshemmend und unterstützen die Gesundheit der Atemwege.

Staubbad Ideen gibt es einige in den Hühnerforen und auf Pinterest – ein paar habe ich hier gesammelt.

Wenn es keine Möglichkeit gibt, das Staubbad ausserhalb des Stalls anzulegen, kann man auch in einem großen Katzenklo mit Deckel das Staubbad im Stall bereitstellen. So fliegt weniger Staub in der Luft herum, was auf kleinem Raum die Atemwege der Hühner strapazieren kann. Alternativ kann das Staubbad auch z.B. unter dem Kotbrett stehen, dann bleibt nach oben die Luft auch suaberer.

2 – Keimdruck gering halten

Viele Tiere, kaum Fläche, das bedeutet jede Menge Hühnerkot auf kleinstem Raum – hier kommt man als Hühnerhalter nicht um vermehrtes Ausmisten herum. Die richtige Einstreu und Vorbereitung des Kotbretts machen die Arbeit leichter und angenehmer.

  • Kotbrett überlappend mit alten Zeitungen auslegen und mit Sägespänen/Hobelspänen bestreuen. Die Späne haften am Kot und bilden Klumpen die man mit einer Katzenkloschaufel leicht entfernen kann. Ist angenehmer als das Wegkratzen mit der Spachtel und riecht durch die Holzspäne besser. Nach einiger Zeit kann dann die restliche Eisntreu einfach mitsamt der Zeitung aufgerollt werden
  • Im Sommer eignet sich Sand als Einstreu. Ähnlich wie bei einem Katzenklo kann man auch hier den Hühnerkot einfacher entsorgen und der Boden kann gleichzeitig als zusätzliches Sandbad für die Gefiederpflege genutzt werden.
  • Im Winter finde ich Sand zu kalt, hier bevorzuge ich Hobelspäne, aus den gleichen Gründen wie beim Kotbrett. Einfaches Sauberhalten und guter Geruch. Gute Alternativen sind Hanfhäckselstreu (feuchtigkeitsbindend) oder möglichst klein gehäckseltes Stroh.

3 – Immunsystem stärken

Die richtige Fütterung und sauberes Trinkwasser tragen maßgeblich zur Grundgesundheit der Hüner bei. Das heißt: Trinkwasser täglich wechseln und 2-3 mal die Woche eine Apfelessig-Knoblauch-Kur über die Tränke geben. Einziger Vorteil der Stallpflicht: aus Mangel an Alternativen wird die auch getrunken. 1 EL Apfelessig (am besten in Bio-Qualität mit der „Mutter“) auf 3 Liter Wasser mischen und 1 zerdrückte Knoblauchzehe dazugeben. Beide Zutaten wirken wie eine prophylaktische Wurmkur und halten den Verdauungstrakt der Hühner fit und gesund.
Das Rezept für einen speziellen Knoblauch-Zwiebel-Essig Sud gibt es in diesem Forums-Thread auf huehner-info.de

Heilkräuter ins Hühnerfutter mischen. Kräuter sind eine optimale Quelle für Vitamine und Mineralstoffe und wirken darüber hinaus als Entzündungshemmer, natürliches Antibiotikum, Immunsystem-Booster und natürliches Mittel gegen Lästlinge und Parasiten.
Die Top 10 Kräuter für ein starkes Immunsystem sind: Salbei, Oregano, Thymian, Kapuzinerkresse, Estragon, Echinacea, Ringelblume, Kamille, Schafgarbe, Spitzwegerich, Löwenzahn

4 – Entspannung

Stress macht krank. Und gelangweilte, eingesperrte Hühner werden leicht nervös und aggressiv. Die ätherischen Öle von Heilkräutern können, gezielt eingesetzt, beruhigend wirken und das Stallklima verbessern. Wenn den Nestern beruhigende Kräuter wie Lavendel oder Hopfen beigegeben werden, können Legehennen auch bei unruhigem Umfeld entspannen. Kräutermischungen für Legenester beinhalten oft auch Pflanzen und Blüten deren Geruch Insekten und Parasiten vertreibt.
Eine gute Mischung aus getrockneten Kräutern für das Legenest besteht aus: Kamille, Lavendel, Ringelblume, Zitronenmelisse, Pfefferminzblättern, Hopfenblüten, Salbei

Wer mit der Verwendung ätherischer Essenzen vertraut ist, kann diese auch direkt im Stall anwenden, wie beispielsweise ein Halter von Rassegflügel im Beitrag der Br-Sendung „unser Land“. Sein Tipp für ein besseres Stallklima: Minzöl direkt auf die Sitzstangen geträufelt vertreibt Insekten und wirkt sich gut auf die Atemwege der Tiere aus.

Das Video der Sendung gibt es hier: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/unser-land/stallpflicht-probleme-gefluegel-100.html

Aber Achtung: reine ätherische Öle mit Bedacht anwenden. Sie sind hochkonzentriert und in ihrer Wirkung entsprechend stark.

5 – Für Abwechslung sorgen

Ein bisschen Spaß muss sein: wenn ein Gartenhuhn das genüssliche Scharren zwischen Büschen und Bäumen gewohnt ist, kommt es mit auferzwungenem Nichtstun schlecht klar. Manchem mag das nun schon zu sehr Richtung „Haustier-Bespaßung“ gehen, aber Hühner sind von Natur aus neugierige und bewegliche Tiere und mit ein bisschen Ablenkung können sich Verhaltensauffälligkeiten vermeiden, die in der reinen Stallhaltung auf kleinem Raum sonst vorprogrammiert sind.

Ob ein aufgehängter Salatkopf, Karottenspieße oder das sogenannte „Chicken-Crack“hier ist eine Sammlung an einfachen, günstigen Leckerlis und Bespaßungen.

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