Ist Kieselgur gefährlich für Hühner?

Kieselgur für Hühner – warum sie auch schädlich ist

Zusammenfassung des Blogbeitrags von Kathy Shea Mormino zum Thema Kieselgur. Originaltitel „The cut & dry truth about Diatomaceous Earth DE & Chickens“

Was ist Kieselgur?

Kieselgur ist ein natürlich vorkommender, versteinerter Mineralstaub aus den Schalen fossiler Kieselalgen. In der Hobby-Hühnerhaltung wird Kieselgur hauptsächlich zur prophylaktischen Bekämpfung von Ektoparasiten wie Federlingen und Milben eingesetzt. Es hilft die Einstreu trocken zu halten und wird auch als Entwurmungsmittel eingesetzt.

Bei Hühnerhaltern entsteht vielleicht die falsche Sicherheit, dass Kieselgur nicht schädlich ist, weil es ja ein „natürliches“ Produkt ist. Aber wie Kathy Shea Mormino in ihrem Artikel schreibt: das sind Quecksilber und Arsen auch.

Wie wirkt Kieselgur?

Die mikroskopisch kleinen, rasiermesserscharfen Kanten wirken als mechanisches Insektizid: sie schneiden den Panzer des Parasiten auf und absorbieren über die porenreichen Struktur der Kieselgur die Körperflüssigkeit, wodurch er letztlich zu Tode trocknet. Was bei Milben und anderen Lästlingen effektiv sein kann, wirkt aber genauso auf Nützlinge.

Hersteller warnen davor den Staub einzuatmen und empfehlen Schutzbrillen und Atemschutzgeräte oder –masken zu tragen. Für mich liegt die Überlegung nahe: was für den Menschen schädlich ist, kann für die Hühner nicht gesund sein. Durch das Ausbringen von Kieselgur im Stall oder im Staubbad sorgt man letztlich dafür, daß sich die feinen Partikel ständig in der Atemluft der Hühner verteilen.
Kathy Shea Mormino beschreibt in ihrem Artikel, dass Kieselgur nachweislich Narbengewebe in der Lunge erzeugt. Während das für die vergleichsweise kurze Lebensdauer von Hühnern irrelevant sein mag, was das Krebsrisiko betrifft, so denke ich macht es durchaus Sinn, dass eine derartige Reizung der Atemwege die Tiere anfälliger für Atemwegserkrankungen machen kann.

Wie Kieselgur dem Immunsystem schadet

Die Haut ist das größte Immunorgan des Huhns und eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger und andere potenziell schädliche Substanzen. Auch die Schleimhäute in Mund, Kloake, Augen und Ohren, die über ihre nützliche Bakterienflora pathogene Erreger abwehren. Kieselgur trocknet diese feuchten Membranen aus, die positive Mikroflora wird gestört und das Tier wird anfälliger für Krankheitserreger. Eine weitere, schädliche Wirkung des „austrocknenden“ Effekts von Kieselgur, den Shea Mormino beschreibt: es raubt den Hühnern die natürlichen Öle, die sie benötigen um ihre Federn gesund zu halten und damit z.b. gut gegen Kälte isoliert zu sein.

Der Nutzen von Kieselgur in der Hühnerhaltung unter die Lupe genommen

1. Feuchtigkeit binden und Ammoniak neutralisieren

Für einen dicht besetzten, industriellen Geflügelstall liegt es nahe, zur Regulierung von feuchter Einstreu und entstehenden Ammoniakdämpfen Kieselgur einzusetzen. Der Stall in der Hobbyhühnerhaltung sollte meines Erachtens nie so naß oder verschmutzt sein, dass es nach Ammoniak riecht. Hier sollte die Maßnahme nicht im Einsatz von Kieselgur, sondern in regelmäßigerem Ausmisten, verbesserter Lüftung und ggf. einer alternativen Einstreu liegen.

2. Prophylaktisches Insektizid

Während es sicher sinnvoll ist, natürliche Insektizide wie ätherische Öle prophylaktisch in der Hühnerhaltung einzusetzen, sehe ich es als bedenklich, wenn Hühner der Kieselgur (mit seinen oben erwähnten Gefahren) ständig ausgesetzt sind um sie frei von Parasiten zu halten. Es ist kann nicht natürlich sein, jedes Insekt (gleich ob schädlich oder nützlich) im Stall und Auslauf der Hühner zu beseitigen. Denn Kieselgur vernichtet „wahllos“. Die Möglichkeit, dass sich beispielsweise in einem funktionierenden „Deep Litter“ oder auch Kompost-System nützliche Bakterien ansiedeln, hängt von einem ausgewogenen Ökosystem von Bakterien und Insekten ab. Es ist nicht möglich nur die „schlechten“ Insekten zu töten.

Shea Mormino schreibt, dass ein Hersteller (in den USA) explizit davor warnt Kieselgur in der Nähe von Blumen und anderen Bereichen, die von Bienen und anderen Nützlingen angeflogen werden, auszubringen . Kieselgur habe, so der Hersteller, das Potential die meisten Insekten, die mit ihr in Berührung kommen, negativ zu beeinflussen.“

Ein regelmässig gekalkter Stall und ein trockenes Staubbad, das den Hühnern das ganze Jahr über zur Verfügung steht, ist die beste Maßnahme gegen Parasitenbefall.

3. Entwurmung

Weil Kieselgur ein Absorptionsmittel ist, wird sie in einer „nassen“ Umgebung wie dem Verdauungstrakt unwirksam. Die Kieselgur-Partikel können nicht mehr absorptiv wirken und können Würmer oder andere Darmparasiten nicht mehr durch „Austrocknung“ zerstören. Die scharfen Kanten der Partikel haben aber weiterhin die Fähigkeit, mikroskopische Verletzungen im Mund, der Speiseröhre und im Kropf zuzufügen – zumindest bis sie vollständig durch Körperflüssigkeiten gesättigt werden.

Fazit

Mir hat der Artikel zu denken gegeben, da es für mich in meinen Recherchen auf Hühnerforen und themenverwandten Seiten der erste umfassendere kritische Bericht zur Kieselgur war. Ich betrachte unsere Hühner als nützliche Teile des Ökosystems „Garten“, deren Haltung nicht zu Lasten anderer Teile/Mitbewohner dieses Ökosystems gehen soll. Wenn ich das Gefühl habe, auf Kieselgur zurückgreifen zu müssen um meine Tiere frei von Parasiten zu halten – auf Kosten der parallel lebenden Nützlinge – dann muss ich mein „Haltungssystem“ überdenken. Ich muss die Grundgesundheit der Hühner stärken, also ihre natürliche Abwehr. Ich muss ihnen die Möglichkeit geben, über artgerechtes Hygiene-Verhalten den Befall von Parasiten selbst zu bekämpfen bzw. zu regulieren. Und ich muss akzeptieren, dass es gelegentlich zu einem leichten Befall von Ektoparasiten wie Federlingen kommen kann. Solange die Hühner weiter gesund aussehen, Wohlfühlverhalten zeigen und Eier legen, denke ich, dass die Balance stimmt.

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Kommentare

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  3. Susanne

    Erst einmal ein großes Lob: Deine Seite ist mega interessant und ich habe heute das erste Mal fermentiertes Futter gegeben und die Begeisterung bei unseren Hühnern war riesig! Vielen Dank für den Tipp!!!
    Aber nun zum Kieselgur: Wir hatten letztes Jahr ein echtes Problem mit Milben. Wir haben den (Holz-)Stall gereinigt und gekalkt doch nach wenigen Tagen war schon wieder alles voll. Aber dann habe ich entdeckt, dass es auch Kieselgur flüssig gibt. Wenn man das auf die Wände etc. sprüht, trocknet es ähnlich fest auf wie Kalk und seitdem haben wir keine Milben mehr – toi, toi, toi.

    • Denise

      Super! Danke für den Hinweis, Susanne. Das wäre für mich auch eine Alternative, denk ich. Bis jetzt bin ich Milbenfrei (ebenfalls toi, toi, toi 😉 ) aber wenn es meinen Holzstall doch erwischt werd ich das probieren.
      Freut mich, dass die Hühner das fermentierte Futter mögen!

  4. Birgit

    Endlich jemand, der sich mit den Gefahren von Kieselgur oder Diatomeenerde intensiv auseinandersetzt und nicht einfach nur einsetzt, weil es aktuell z.B. gegen die Rote Vogelmilbe kein für lebensmittelproduzierendes Geflügel zugelassenes Mittel gibt.
    Ich selbst habe im letzten Jahr Kieselgur eingesetzt, sie jedoch im Herbst ganz schnell aus meinen Ställen verbannt, nachdem die Tiere anfingen zu schnupfen und dann sogar zu röcheln. Manche haben sich davon nie mehr ganz erholt.

    Das Problem ist, dass wir in diesem Jahr ein extremes Milbenjahr haben und ich gerade händeringend auf der Suche nach etwas bin, das die von mir eingesetzten Raubmilben bei ihrer Tätigkeit unterstützt, diese aber nicht gleich mit vertreibt bzw. umbringt.
    Die Raubmilben brauchen eine gewisse Zeit, bis sie Schneisen in die Masse der Vogelmilben geschlagen haben, da diese sich gerade rasant vermehren und die Dutchys nicht ganz so schnell sind.
    Da ich meine Hühner mangels Platz nicht aus den befallenen Ställen nehmen kann, suche ich etwas, das die Milben von den Hühnern fern hält – und so hat mich ein Freund auf diese Seite hingewiesen.
    Gegen Fliegen finde ich auch was, aber leider nichts gegen Milben. Gibt es da auch eine Möglichkeit?

    • Denise

      Hallo Birgit, danke für Deinen Erfahrungsbericht mit der Kieselgur! Die meisten Hühnerhalter schwärmen & schwören ja eher darauf… Es ist für mich total nachvollziehbar, dass Kieselgur, in einem kleineren Stall, wo sie von den Tieren immer aufgewirbelt wird, irgendwie auf die Atemwege gehen muss. Vielleicht kommt es immer darauf an wo genau sie verteilt wird (also wie gut die Hühner sie verwirbeln können) und wie groß der Raum ist in dem sich diese „Wolke“ dann bewegt… Mir jedenfalls haben die 5 Minuten im Stall schon immer genügt – und ich konnte mir auch echt nicht vorstellen,d ass das für die Hühner angenehm ist.

      Also die Raubmilben sind bei einem stärkeren Befall wohl schon „zu spät“, oder? Eher prophylaktisch oder bei „leichtem“ Befall (was das auch immer sein soll – entweder man hat sie oder nicht, oder?). Etwas was die Vogelmilben angreift, aber die Raubmilben nicht… hmmm… da kann ich mir nichts vorstellen, da das ja im Grunde beides dieselben Tiere (Spinnentiere) sind, also ähnlich reagieren werden. wenn Du also die vogelmilbe selbst bekämpfst, bekämpfst Du damit auch die Raubmilbe.
      Du könntest höchstens versuchen dass weder Raub- noch Vogelmilbe gern an das Huhn selbst geht. Also so, wie das mit dem Anti-Milben Futter funktioniert. Ich schätze, da geht es über die Kräuter/Aromastoffe, sprich: den „Geruch“ der Tiere, den die Milben dann meiden. Und: ordentlich Holzasche mit ins Staubbad, dass geht auch ganz fein mit ins Gefieder und erstickt die Milben. Was könntest Du noch tun… Sitzstangen so lagern, dass die Milben erst durch ein Ölbad müssen, bevor sie darauf können? Oder sowas wie das Milbizid von Dr. Schaette zum Beispiel? Das habe ich mal zur Bekämpfung von Federlingen verwendet, das half auch gut (war mir nur zu teuer auf Dauer 😉 ) Das könnte die Hühner u.U auch für die rote Vogelmilbe „unappetitlicher“ machen. Ich befürchte allerdings, dass das bei akutem schwerem Befall nicht reichen wird. Besser wäre wahrscheinlich den Stall tatsächlich erstmal „sauber“ zu machen (Holzstall, oder kannst Du abflammen?)? Dann ordentlich kalken, Holzasche in die neue Einstreu (am besten Sand) und die Hühner mit entsprechendem Futter prophylaktisch schützen. Sollte in einem Tag umsetzbar sein, wenn die Sonne scheint und der Kalkanstrich gut trocknen kann.

      Noch ein Tipp zum „ungenießbar“ machen der Hühner: Knoblauchwasser. Schau mal hier: http://www.animal-health-online.de/gross/2001/09/20/legehennen-knoblauch-gegen-milben/2869/ und hier: http://www.wulmstorfer-huehnerliebe.de/tips-zur-huehnergesundheit.html
      Ich hatte bisher (toi, toi, toi) noch keine Probleme mit Milben, und habe immer eine Kräutermischung mit im Futter und regelmässig Knofi im Trinkwasser (manchmal riecht der Stall richtig intensiv!). Kann mir gut vorstellen, dass es was hilft.

      Viel Erfolg bei Deinem Kampf gegen die Biester!! Ich freu mich zu hören, wenmn Du was Gutes gefunden hast, was für Dich funktioniert hat.
      Liebe Grüße,
      Denise

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